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#btw17 Programmvergleich – 488 Zeilen Substanzpolitik

Zur Bun­des­tags­wahl 2017 tre­ten 41 Par­tei­en mit Direktkandidat_​innen und über Lis­ten an*. Hier erhältst du eine Ana­ly­se und einen Ver­gleich von 38 Par­tei- und Wahl­pro­gram­men nach den Stich­wor­ten „Dro­gen“, „Can­na­bis“ und „Sub­stanz“ (ohne die Sati­re­par­tei­en und die UNABHÄNGIGE**). Par­tei­en mit Libe­ra­li­sie­rungs­kon­zep­ten für alle Sub­stan­zen wer­den detail­lier­ter vor­ge­stellt: DIE LINKE, GRÜNE, PIRATEN, Die Huma­nis­ten und Neue Libe­ra­le – Die Sozi­al­li­be­ra­len. Am Ende des Bei­trags fin­dest du die Pro­gramm­aus­schnit­te und die Ver­gleichs­ta­bel­le zum Down­load.

Lese­zeit: 10 Minu­ten


Eini­ge Par­tei­en ver­wen­den das The­ma Sub­stanz­kon­sum und -han­del als Mit­tel zur Demons­tra­ti­on Inne­rer Sicher­heits­maß­nah­men. Bestimm­te Per­so­nen­grup­pen wer­den mora­lisch degra­diert, Kon­su­mie­ren­de pau­schal als „Süch­ti­ge“ in einer Par­al­lel­ge­sell­schaft abge­tan und die Ideo­lo­gie einer dro­gen­frei­en Welt wird bestärkt; es ist kein Inter­es­se an gesell­schaft­li­cher Auf­klä­rung durch wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se ver­nehm­bar.
Die­se Par­tei­en schei­nen die Per­so­nen ver­tre­ten zu wol­len, die nicht wil­lens sind, Gelern­tes in Fra­ge zu stel­len und jene, die ger­ne eine Welt­sicht tei­len, die es ihnen ermög­licht, ande­re Per­so­nen schlech­ter zu stel­len als sich selbst. Dazu gehört poli­zei­li­che Repres­si­on gegen die als schäd­lich ein­ge­stuf­ten Mit­men­schen.
Die Par­tei­en CDU/​CSU, AfD, NPD, FREIE WÄHLER, ÖDP, BP, BüSo und DIE EINHEIT ver­tre­ten in ihren Wahl­pro­gram­men sol­che repres­si­ven Hal­tun­gen und Maß­nah­men.

Gar nichts zum The­ma Sub­stanz­po­li­tik steht in den Pro­gram­men der Par­tei­en: PDV, SGP, DIE RECHTE, Alli­anz Deut­scher Demo­kra­ten, BGE, DiB, DKP, DM, Die Grau­en, du., MG, MENSCHLICHE WELT, Gesund­heits­for­schung, DIE VIOLETTEN, FAMILIE, DIE FRAUEN und SPD(!).

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren haben eini­ge Mit­glie­der der SPD eine Posi­ti­on zur Ent­kri­mi­na­li­sie­rung (zumin­dest für Can­na­bis) ent­wi­ckelt. Das erklärt der dro­gen­po­li­ti­schem Spre­cher Burk­hard Bli­e­nert im Inter­view mit Georg Wurth vom Hanf­ver­band. Es kann ohne Posi­tio­nen im Par­tei­pro­gramm aber nicht damit gerech­net wer­den, dass die SPD von sich aus Anträ­ge für eine neue Sub­stanz­po­li­tik ein­brin­gen wird. Als ein­zi­ge gro­ße Par­tei ohne Hal­tun­gen zur Dro­gen­po­li­tik scheint sie sich bei die­sem The­ma die Anpas­sung an die Posi­tio­nen von Koalitionspartner_​innen offen zu hal­ten. Wenn es zu einer rot-rot-grü­nen Koali­ti­on kommt, steht zumin­dest im Wahl­pro­gramm nichts, was den lin­ken und grü­nen Posi­tio­nen wider­spre­chen wür­de.

Wenn sich klei­ne Par­tei­en in ihren Pro­gram­men nicht zur Sub­stanz­li­be­ra­li­sie­rung äußern, muss das nicht unbe­dingt nega­tiv bewer­tet wer­den. Es kann sich um Ein-The­men-Par­tei­en han­deln oder unter den Mit­glie­dern sind bis­her kei­ne sach­kun­di­gen Ansprechpartner_​innen oder ande­re The­men sol­len unter begrenz­ten Res­sour­cen stär­ker eta­bliert wer­den. Mög­li­cher­wei­se haben sich Posi­tio­nen erst nach Fest­le­gung des Pro­gramms erge­ben.

Aber: Eine Can­na­bis-Regu­lie­rung zu for­dern und die­sel­ben Argu­men­te für ande­re Sub­stan­zen abzu­leh­nen, ist unschlüs­sig. Die Par­tei­en, die sich nur für Can­na­bis ein­set­zen, sind die Tier­schutz­al­li­anz, die V-Par­tei3 und als gro­ße Par­tei die FDP.

Die FDP führt ein paar soli­de Grün­de für ihre For­de­rung nach einer Can­na­bis-Libe­ra­li­sie­rung auf, aber erklärt nicht, war­um sie die­se für ande­re Sub­stan­zen nicht eben­so gel­ten las­sen möch­te. Statt­des­sen recht­fer­tigt sie die Regu­lie­rung von Can­na­bis durch Abwer­tung ande­rer psy­cho­ak­ti­ver Sub­stan­zen und durch pau­scha­le Dif­fa­mie­rung von Men­schen, die (oft unfrei­wil­lig) im ille­ga­len Markt arbei­ten: „Das Ver­bot von Can­na­bis erleich­tert durch den ille­ga­len Kon­takt zu Dea­lern erst recht den Ein­stieg zu här­te­ren Dro­gen.“ (FDP, S. 45) Durch die­se Hal­tung führt sie die Stig­ma­ti­sie­rung von Konsument_​innen ande­rer Sub­stan­zen fort und igno­riert die Pro­ble­me der Pro­hi­bi­ti­on, die sie in einer Can­na­bis-Libe­ra­li­sie­rung abschaf­fen möch­te.

Bei fünf Par­tei­en sind die sub­stanz­po­li­ti­schen For­de­run­gen vor­wie­gend nicht ein­deu­tig. Das betrifft Volks­ab­stim­mung, MLPD, Bünd­nis C, MIETERPARTEI und die Tier­schutz­par­tei. Letz­te­re gibt dem The­ma mit 18 Zei­len Raum, aber beschreibt schwam­mi­ge Vor­stel­lun­gen von Prä­ven­ti­ons­ar­beit, statt poli­ti­sche Metho­den dar­zu­le­gen. Ansät­ze zur Sub­stanz­li­be­ra­li­sie­rung sind aus die­sen Pro­gram­men nicht erkenn­bar.

Aus den 38 Par­tei­en ver­tre­ten fünf in ihren Pro­gram­men Posi­tio­nen zur Libe­ra­li­sie­rung aller psy­cho­ak­ti­ven Sub­stan­zen: DIE LINKE, GRÜNE, PIRATEN, Die Huma­nis­ten und die Neue Libe­ra­le – Die Sozi­al­li­be­ra­len.
Die fol­gen­den Erläu­te­run­gen und Gra­phi­ken sol­len einen genaue­ren Ein­druck geben. Zum Ver­gleich wur­den die Posi­tio­nen zur Sub­stanz­li­be­ra­li­sie­rung in fünf Kate­go­ri­en ein­ge­teilt:

  1. Selbst­be­stim­mung Erwach­se­ner – Ent­stig­ma­ti­sie­rung – Wis­sen­schaft und Mensch­lich­keit statt Absti­nenz-Ideo­lo­gie – Unter­stüt­zung der Selbst­in­for­ma­ti­on
  2. Ent­kri­mi­na­li­sie­rung – Ver­bes­se­rung des Bera­tungs­an­ge­bots
  3. Pro­ble­ma­ti­sche Fol­gen der Pro­hi­bi­ti­on been­den
  4. Akzep­tie­ren­de Dro­gen- und Sucht­ar­beit ermög­li­chen
  5. Herstellung/​Verkauf (Eigen­an­bau – Eigen­pro­duk­ti­on – Modell­pro­jek­te – Ver­kaufs­mo­del­le)

Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men wur­den aus die­ser Gegen­über­stel­lung aus­ge­las­sen, weil sie im enge­ren Sin­ne nicht zu einer Sub­stanz-, son­dern zu Gesund­heits­po­li­tik, Sozi­al­po­li­tik und Jugend­schutz­kon­zep­ten gehö­ren. Ein aus­sa­ge­kräf­ti­ger Ver­gleich soll­te sämt­li­che Hal­tun­gen aus den gesam­ten Pro­gram­men zu die­sen Aspek­ten mit­ein­schlie­ßen.

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mybrainmychoice_btw17_Programmvergleich_Drogenpolitik_GRÜNE

DIE LINKE und die GRÜNEN sind die bei­den gro­ßen Par­tei­en, die sich im Pro­gramm ähn­lich umfang­reich zur Libe­ra­li­sie­rung psy­cho­ak­ti­ver Sub­stan­zen posi­tio­nie­ren. (DIE LINKE mit ins­ge­samt 47 Zei­len und 40 davon zu den obi­gen Kri­te­ri­en, die GRÜNEN mit 42 und 36 Zei­len.) Im genaue­ren Ver­gleich stel­len sich eini­ge Unter­schie­de her­aus:

  • Die GRÜNEN legen ihren Schwer­punkt auf eine neue Can­na­bis­po­li­tik, wäh­rend DIE LINKE alle Sub­stan­zen weit­ge­hend glei­cher­ma­ßen the­ma­ti­siert und ihren Schwer­punkt auf infor­mier­te Selbst­be­stim­mung setzt.

    „Wir sehen es nicht als Auf­ga­be der Poli­tik an, Men­schen zu erzie­hen, son­dern ihnen eine infor­mier­te und risi­ko­be­wuss­te Kon­sum­entschei­dung, ähn­lich wie bei Tabak und Alko­hol, zu ermög­li­chen. Wir wol­len den Wunsch nach Rausch nicht mora­lisch wer­ten; er ist ein Bestand­teil der Kul­tur.“
    (DIE LINKE, S. 120f.)
  • Das Pro­gramm der LINKEN ent­hält einen Hin­weis dar­auf, Sucht­ur­sa­chen nicht bei den Sub­stan­zen zu suchen, son­dern in den sozia­len und psy­chi­schen Umstän­den.

    „Abhän­gig sein kann man nicht nur von ille­ga­len oder lega­len Sub­tan­zen, Tabak oder Alko­hol, son­dern z. B. auch von Glücks­spiel, Arbeit, Essen. Sie hat viel­fäl­ti­ge sozia­le und psy­cho­lo­gi­sche Ursa­chen und soll­te – wie ande­re Erkran­kun­gen auch – nicht als Ver­sa­gen ein­zel­ner Men­schen inter­pre­tiert wer­den.“ (DIE LINKE, S. 120f.)
  • DIE LINKE plä­diert für eine Neu­re­ge­lung im Stra­ßen­ver­kehr und for­dert ein Wer­be- und Spon­so­ring­ver­bot für Alko­hol und Tabak in der Öffent­lich­keit.
    Die GRÜNEN „leh­nen“ Wer­bung für Niko­tin „ab“ und es sol­le „inten­si­ver auf die Gefah­ren von Tabak und Alko­hol hin­ge­wie­sen wer­den“. (GRÜNE, S. 125f.)

Bei­de Par­tei­en wei­sen auf die Pro­ble­me der jet­zi­gen Anti-Dro­gen-Poli­tik hin, aus der sie neben den Aspek­ten der Selbst­be­stim­mung Erwach­se­ner ihre For­de­run­gen begrün­den:

Die Gesund­heits­ge­fähr­dung durch Streck­mit­tel, die Finan­zie­rung der Mafia, Beschaf­fungs­kri­mi­na­li­tät, sozia­ler Abstieg von Abhän­gi­gen, Beglei­ter­kran­kun­gen wie HIV/​AIDS und Hepa­ti­tis – vie­le dro­gen­be­zo­ge­ne Pro­ble­me wer­den mehr durch die Repres­si­on ver­ur­sacht als durch die Dro­gen selbst.“ (DIE LINKE, S. 120f.)

Die ideo­lo­gie­ge­lei­te­te Ver­bots­tra­di­ti­on des Kon­sums von Can­na­bis ver­ur­sacht mehr Pro­ble­me, als sie bekämpft. Statt sinn­frei­er Straf­ver­fol­gung, die zudem vie­le Mil­lio­nen Euro kos­tet, set­zen wir auf Prä­ven­ti­on für Kin­der und Jugend­li­che, eine Stär­kung der Sucht­hil­fe für Abhän­gi­ge und eine stren­ge Regu­lie­rung von Can­na­bis für Erwach­se­ne.“ (GRÜNE, S. 125f.)

Neben einer Ent­kri­mi­na­li­sie­rung von Konsument_​innen aller psy­cho­ak­ti­ven Sub­stan­zen for­dern bei­de Par­tei­en Maß­nah­men für Akzep­tie­ren­de Dro­gen- und Sucht­ar­beit wie Drug-Che­cking und Dro­gen­kon­sum­räu­me.

Ins­ge­samt prä­sen­tiert DIE LINKE ein soli­des Pro­gramm, mit des­sen Umset­zung ein Para­dig­men­wech­sel in der Dro­gen­po­li­tik in den nächs­ten 4 Jah­ren initi­iert wer­den könn­te.

Die GRÜNEN plä­die­ren vor­wie­gend für die Regu­lie­rung von Can­na­bis. Das Wört­chen „lang­fris­tig“ scheint dar­auf hin­wei­sen, dass sie auf eine Neu­re­ge­lung für alle psy­cho­ak­ti­ven Sub­stan­zen in der nächs­ten Legis­la­tur­pe­ri­ode nicht unbe­dingt abzie­len: „Wir for­dern lang­fris­tig eine an den tat­säch­li­chen gesund­heit­li­chen Risi­ken ori­en­tier­te Regu­lie­rung von Dro­gen.“ (GRÜNE, S. 125f.)

Bei bei­den Wahl­pro­gram­men feh­len kon­kre­te Vor­schlä­ge, wie eine Pro­duk­ti­on ande­rer Sub­stan­zen als Can­na­bis zu gestal­ten wäre, um eine kon­trol­lier­te Alter­na­ti­ve zum ille­ga­len Markt eta­blie­ren zu kön­nen.

Im Inter­view mit Georg Wurth vom Hanf­ver­band erklärt Frank Tem­pel, der dro­gen­po­li­ti­sche Spre­cher der Links­frak­ti­on, die Plä­ne und Mög­lich­kei­ten für die nächs­te Legis­la­tur­pe­ri­ode.

Für #mybrain­my­choice beant­wor­te­te er 5 Fra­gen, unter ande­rem zur Rol­le Deutsch­lands in der glo­ba­len Libe­ra­li­sie­rungs­be­we­gung.

mybrainmychoice_btw17_Programmvergleich_Drogenpolitik_PIRATEN

Beson­ders bemer­kens­wert ist das Pro­gramm der PIRATEN. Mit 164 Zei­len (davon 120 in den oben gelis­te­ten Kate­go­ri­en) schrei­ben Sie mehr als alle gro­ßen Par­tei­en zusam­men (127 gesamt und 76 in den Kate­go­ri­en). Sie zei­gen in ihrem Wahl­pro­gramm, dass sie Sub­stanz­po­li­tik als ein rele­van­tes The­ma ver­tre­ten, indem sie zahl­rei­che Vor­schlä­ge für Sofort­maß­nah­men und lang­fris­ti­ge Schrit­te erläu­tern. Die Abschnit­te ent­hal­ten ein brei­tes Spek­trum an sub­stanz­po­li­ti­schen Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten. Sie tren­nen Dro­gen- von Sucht­po­li­tik und kön­nen dadurch die Not­wen­dig­keit von Selbst­be­stim­mung gut her­vor­he­ben:

Gemein­sam wer­den wir eine Poli­tik betrei­ben, die ris­kan­tem Dro­gen­ge­brauch durch Prä­ven­ti­on ent­ge­gen­wirkt, sowie Risi­ko-Kon­su­men­ten und Schwerst­ab­hän­gi­gen durch The­ra­pie­an­ge­bo­te hilft. Der Gesetz­ge­ber darf nur dort ein­grei­fen, wo die Schutz­rech­te ande­rer berührt sind.
Er soll einen effi­zi­en­ten Jugend- und Ver­brau­cher­schutz sicher­stel­len und das orga­ni­sier­te Ver­bre­chen ein­däm­men.
Das Ziel unse­rer Dro­gen- und Sucht­po­li­tik ist eine selbst­ver­ant­wort­li­che und sozi­al­ver­träg­li­che Genuss­kul­tur. Wir wol­len Men­schen aller Alters­grup­pen zu einem acht­sa­men Umgang mit psy­cho­tro­pen Sub­stan­zen und einem selbst­be­stimm­ten Kon­sum befä­hi­gen.“ (PIRATEN, S. 77ff.)

Das sub­stanz­po­li­ti­sche Pro­gramm der PIRATEN kann weit­ge­hend als eine aus­führ­li­che­re Vari­an­te des Pro­gramms der LINKEN betrach­tet wer­den. Es ent­hält eini­ge wei­te­re Aspek­te, die die der­zeit poli­tisch not­wen­di­gen Ände­run­gen sicht­bar machen:

  • bun­des­wei­tes Auf­klä­rungs­kon­zept und sach­ge­rech­tes, undog­ma­ti­sches Lehr­ma­te­ri­al
  • umfas­sen­de Auf­klä­rung über Dro­gen, ihren Gebrauch und mög­li­che Fol­gen darf sich nicht auf die Schu­le beschrän­ken, son­dern muss sich an die gan­ze Gesell­schaft rich­ten
  • Ein­satz von Street­wor­kern und Sozi­al­ar­bei­tern ist aus­zu­bau­en, vor allem in bis­her unter­ver­sorg­ten Klein­städ­ten und länd­li­chen Gebie­ten, unter beson­de­rer Berück­sich­ti­gung des Sucht­stof­fes Alko­hol
  • aus­nahms­lo­ses Wer­be- und Spon­so­ring­ver­bot für Pro­duk­te, die psy­cho­tro­pe Sub­stan­zen in einer Kon­zen­tra­ti­on ent­hal­ten, die geeig­net ist, Abhän­gig­kei­ten zu erzeu­gen
  • Ein­rich­tung einer bun­des­wei­ten Online-Mel­de­stel­le für pro­ble­ma­ti­sche Sub­stan­zen
  • Resul­ta­te kri­mi­nal­tech­ni­scher Unter­su­chun­gen von beschlag­nahm­ten Dro­gen für Jeder­mann ver­füg­bar machen
  • The­ra­pie­mög­lich­kei­ten sind so früh wie mög­lich anzu­bie­ten, nicht erst bei bestehen­der Abhän­gig­keit oder bei bereits ein­ge­tre­te­nen Fol­ge­er­kran­kun­gen. Sie dür­fen nicht aus­schließ­lich auf Absti­nenz aus­ge­rich­tet sein.
  • Umwand­lung der Tabak­steu­er in eine zweck­ge­bun­de­ne Abga­be
  • In der Gas­tro­no­mie sol­len meh­re­re alko­hol­freie Geträn­ke ange­bo­ten wer­den, die güns­ti­ger sind als das bil­ligs­te alko­ho­li­sche Getränk
  • Modell­ver­su­che für lizen­zier­te Fach­ab­ga­be­stel­len. In die­sen erfolgt der Ver­kauf von Tabak, Liquids für e-Ziga­ret­ten, Spi­ri­tuo­sen und ande­ren psy­cho­tro­pen Sub­stan­zen. Jugend­li­che haben dort kei­nen Zutritt. […]
    Die Pro­duk­te dür­fen nicht künst­lich ver­teu­ert wer­den, damit ein Bezug über den Schwarz­markt kei­ne Alter­na­ti­ve dar­stellt.
    Per­spek­ti­visch soll es mög­lich sein, der­zeit ille­ga­le psy­cho­tro­pe Sub­stan­zen auch legal anzu­bau­en oder her­zu­stel­len.
    (Aus­schnit­te, PIRATEN, s. 77ff.)

Im Inter­view auf der Hanf­mes­se Mary­ja­ne Ber­lin erklärt der dro­gen­po­li­ti­sche Spre­cher Andre­as Viva­rel­li, war­um die PIRATEN sich für alle psy­cho­ak­ti­ven Sub­stan­zen ein­set­zen und nicht nur für Can­na­bis.

mybrainmychoice_btw17_Programmvergleich_Drogenpolitik_Die-Humanisten
mybrainmychoice_btw17_Programmvergleich_Drogenpolitik_Neue-Liberale---Die-Sozialliberalen

Sowohl Die Huma­nis­ten als auch die Neue Libe­ra­le – Die Sozi­al­li­be­ra­len bezie­hen in ihren Pro­gram­men Stel­lung für eine neue Sub­stanz­po­li­tik. Aus­ge­hend von den Pro­ble­men durch die Pro­hi­bi­ti­on plä­die­ren sie für eine selbst­be­stimm­te, wis­sen­schaft­lich fun­dier­te Poli­tik zur Regu­lie­rung psy­cho­ak­ti­ver Sub­stan­zen.
Da es sich um Grund­satz­pro­gram­me han­delt, ent­hal­ten sie im Gegen­satz zu den ande­ren drei Par­tei­en kei­ne kon­kre­ten Vor­schlä­ge für die kom­men­den vier Jah­re. Dass sie kein Wahl­pro­gramm haben, liegt ver­mut­lich dar­an, dass bei­de noch zu klein sind, um Plät­ze im Par­la­ment erwar­ten zu kön­nen und daher zunächst dar­an arbei­ten, sich mit ihren Grund­sät­zen zu eta­blie­ren.

Die Huma­nis­ten legen ihren Schwer­punkt auf For­schung:

Wir wol­len die wis­sen­schaft­li­che For­schung an Rausch- und Genuss­mit­teln för­dern, um deren Gesund­heits­ge­fähr­dung und Sucht­po­ten­ti­al zu erschlie­ßen.[…] Wir for­dern, den Han­del mit Rausch- und Genuss­mit­teln grund­sätz­lich zu lega­li­sie­ren und ent­spre­chend dem wis­sen­schaft­li­chen Stand dif­fe­ren­ziert zu behan­deln, zu regu­lie­ren und zu kon­trol­lie­ren.“ (Die Huma­nis­ten, S. 9)

Die Neue Libe­ra­le – Die Sozi­al­li­be­ra­len erklärt die den Aspekt der Selbst­be­stim­mung aus­führ­li­cher und legt ihren Schwer­punkt auf wis­sen­schaft­lich gestütz­te gesell­schaft­li­che Auf­klä­rung:

Das Ziel einer ver­nünf­ti­gen Dro­gen­po­li­tik darf nicht die Bevor­mun­dung des Men­schen, son­dern muss die umfas­sen­de und ehr­li­che Auf­klä­rung der Gesell­schaft sein. Dadurch wer­den die Bürger*innen in die Lage ver­setzt, eigen­ver­ant­wort­lich mit pro­ble­ma­ti­schen Kon­sum­an­ge­bo­ten […] umzu­ge­hen.“ (Neue Libe­ra­le – Die Sozi­al­li­be­ra­len, S. 60)

Was bringt es, Wahl- und Parteiprogramme zu studieren?

In basis­de­mo­kra­ti­schen Par­tei­en sind Wahl- und Par­tei­pro­gram­me immer Kom­pro­mis­se aus den unter­schied­li­chen Ansich­ten inner­halb einer Par­tei. Sie ermög­li­chen einen Ein­druck der Ide­en, For­de­run­gen und Prio­ri­tä­ten.

Ent­schei­dend für poli­ti­sche Aktio­nen durch Regie­rungs­par­tei­en sind die Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen. An die­ser Stel­le braucht es argu­men­ta­tiv gefes­tig­te dro­gen­po­li­ti­sche Ver­ant­wort­li­che, die ihre For­de­run­gen mit Nach­druck und Rücken­de­ckung durch ihre Par­tei­en ver­han­deln kön­nen.

Was mache ich mit diesen Infos?

Eini­ge Par­tei­en sind nicht in jedem Wahl­kreis wähl­bar. Hier fin­dest du die Über­sicht der zuge­las­se­nen Par­tei­en zur Bun­des­tags­wahl 2017 mit Fil­ter­funk­ti­on für dei­nen Wahl­kreis. Auch dei­ne wähl­ba­ren Direktkandidat_​innen wer­den dir auf­ge­lis­tet.

  1. Du weißt nun, wel­che Par­tei­en dei­ne dro­gen­po­li­ti­schen Wün­sche ver­tre­ten. Prü­fe sie auf wei­te­re The­men, die dir wich­tig sind.
  2. Wäh­le kei­ne Par­tei, die Repres­si­ons­me­tho­den ver­tritt. Ände­run­gen in der Dro­gen­po­li­tik sind drin­gend erfor­der­lich!
  3. Wenn du eine Par­tei bei ande­ren The­men gut fin­dest, aber bei der Sub­stanz­po­li­tik nicht, dann schrei­be den Wahlkreiskandidat_​innen und Abge­ord­ne­ten, dass du dir ein Um- oder Wei­ter­den­ken wünschst. Unter­stüt­ze jene Par­tei­mit­glie­der, die sich inner­halb der Par­tei­en für das The­ma stark machen. Oder tre­te selbst ein, um die Par­tei als akti­ves Mit­glied zu beein­flus­sen.
  4. Bewer­te Par­tei­en nicht nur danach, was sie ver­spre­chen, son­dern was sie in der letz­ten Peri­ode getan haben (z. B. Abstimm­ver­hal­ten und Ein­rei­chen von Anträ­gen).
  5. Wenn ein_​e Direktkandidat_​in die Libe­ra­li­sie­rungs­be­we­gung unter­stützt, kann es sich loh­nen, sie_​ihn mit dei­ner Erst­stim­me zu wäh­len, auch wenn du über die Lis­te eine ande­re Par­tei unter­stüt­zen möch­test.
  6. Wäge nicht stra­te­gisch ab, mit wel­cher Par­tei eine bestimm­te Koali­ti­on even­tu­ell zusam­men­kom­men könn­te, son­dern stär­ke mit dei­ner Stim­me jene Par­tei und Per­son, die dei­ne Inter­es­sen und dei­ne bevor­zug­te Sub­stanz­po­li­tik ver­tre­ten.

Warum soll ich überhaupt wählen?

Auf­ga­be von Par­tei­en und Politiker_​innen ist es, die Inter­es­sen von Bevöl­ke­rungs­grup­pen zu ver­tre­ten. Solan­ge sich die Wähler_​innen nicht für eine neue Sub­stanz­po­li­tik inter­es­sie­ren und ihre Stim­men in den Wah­len ent­spre­chend ein­set­zen, sind sub­stanz­po­li­ti­sche For­de­run­gen aus der Bevöl­ke­rung durch Par­tei­en nicht durch­set­zungs­fä­hig.

Letzt­end­lich steht es in unser aller Ver­ant­wor­tung, sich nicht nur anzu­hö­ren, was die Par­tei­en alle paar Jah­re zu den Wah­len vor­tra­gen. Demo­kra­ti­sche Par­tei­en sind kei­ne unver­än­der­li­chen Ein­hei­ten, son­dern bewe­gen sich mit den Inter­es­sen und Prio­ri­tä­ten ihrer Mit­glie­der und Unterstützer_​innen. Du kannst jeder­zeit dein Umfeld für die Libe­ra­li­sie­rungs­be­we­gung begeis­tern und dei­nen poli­ti­schen Vertreter_​innen dei­ne Wün­sche mit­tei­len. Unter­stüt­ze sie also nicht nur bei den Wah­len, son­dern erin­ne­re sie auch zwi­schen­drin dar­an, dass dir eine neue Sub­stanz­po­li­tik wich­tig ist.

Also:
Spread the word und geh wäh­len!

Dan­ke für dei­nen Bei­trag zu einer fun­dier­ten Sub­stanz­po­li­tik!


*Die Lis­te der antre­ten­den Par­tei­en fin­dest du hier:
https://​www​.bun​des​wahl​lei​ter​.de/​b​u​n​d​e​s​t​a​g​s​w​a​h​l​e​n​/​2​0​1​7​/​w​a​h​l​b​e​w​e​r​b​e​r​.​h​tml

Wie das Wahl­sys­tem funk­tio­niert, kannst die hier nach­le­sen:
http://​www​.bpb​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​w​a​h​l​e​n​/​b​u​n​d​e​s​t​a​g​s​w​a​h​l​-​2​0​17/

**Die UNABHÄNGIGE als Zusam­men­schluss ansons­ten par­tei­lo­ser Kandidat_​innen und die Sati­re­par­tei­en DIE PARTEI und B* wur­den in der Ana­ly­se über­sprun­gen. DIE PARTEI for­dert eine Bier­preis­brem­se und das Pro­gramm der B* liest sich, als hät­te man es im Rausch geschrie­ben.


Zusatz­in­for­ma­tio­nen und Down­loads:

Geprüft wur­den 51 Pro­gram­me der 41 Par­tei­en, die über Lis­ten oder Direktkandidat_​innen zur Bun­des­tags­wahl 2017 antre­ten. 23 Par­tei­en (inkl. Sati­re­par­tei­en) äußern sich ent­we­der in ihren Wahl- oder Grund­satz­pro­gram­men zu Sub­stanz­po­li­tik. Lagen sub­stanz­po­li­ti­sche Inhal­te in den Wahl­pro­gram­men für die Bun­des­tags­wahl vor, wur­den die Wahl­pro­gram­me statt den Grund­satz­pro­gram­men ana­ly­siert.

Die tabel­la­ri­sche Ana­ly­se zum Down­load
Die ana­ly­sier­ten Abschnit­te aus den Pro­gram­men zum Down­load

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