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Bild: Tim Goedhart on Unsplash

MBMC episode 27

Liebe Social Innovators, liebe Interessierte, wir freuen uns über die Resonanz auf unseren 26. Newsletter – erstmals auf dem Blog erschienen – und geben euch auch mit den 27. mbmc-​News wieder ausführlichere Kommentare und Pressehinweise und stellen euch außerdem tolle Projekte und Aktionen für mehr Selbstbestimmung und weniger Drogenkriege vor.


#MYBODYMYCHOICE

Gestern gingen auch dieses Jahr wieder mehrere Tausend Menschen mit dem Bündnis für Sexuelle Selbstbestimmung und What the Fuck in Berlin für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und gegen den „Marsch für das Leben“ der sogenannten Lebensschützer (u.a. Kirchen und AfD) auf die Straße. #mybodymychoice umfasst Selbstbestimmungsbewegungen, die uns sehr am Herzen liegen und die uns in der Namensgebung nicht nur zufällig inspiriert haben: Wir identifizieren uns mit dem Kampf für gesellschaftlichen Wandel und gegen patriarchale und zähe Strukturen, in denen Menschen anhand ihres Geschlechts, Sexualität, Schichten und anderen gesellschaftlich definierten Merkmalen – wie auch Präferenzen bei der Wahl von Rauschsubstanzen – benachteiligt werden. Stigmatisierung und Kriminalisierung hindern Menschen an ihrer vollen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

USA: WAR ON DRUGS

In den USA wird gerade über ein Gesetzespaket diskutiert, das die staatliche Handhabe gegen Drogengebraucher*innen verschärfen soll. Trumps maniac Justizminister Jeff Sessions will den War on Drugs als Lösung gegen die von ihnen skandalisierte Opioid-​Krise einsetzen. Tatsächliche Lösungen für Menschen, die Unterstützung bzgl. ihres Gebrauchs von Opioiden suchen, sind eigentlich klar und bekannt. Sessions‘ Strategie kann man aber vielmehr als Fortführung von Stigmatisierung und Kriminalisierung verstehen. Zum Beispiel könnte er durch die neuen Gesetze seinen lang verfolgten Plan, Kratom zu illegalisieren, realisieren. Die Drug Policy Alliance warnt auch davor, dass die DEA noch mehr Macht erhalten würde. Hast du Bekannte in den USA? Über dieses Formular können sie ihre Repräsentant*innen noch bis morgen bitten, dagegen zu stimmen.

Was das mit den Gesetzen zur Massen-​Inhaftierung in den USA auf sich hat, erklärt die Dokumentation „Der 13.“ von der wunderbaren Ava DuVernay sehr eindrücklich.

Trump setzt noch einen oben drauf (surprise…) und will die Law-​and-​order-​Drogenpolitik auch über die UN weltweit auffrischen. Was da für Motive da wahrscheinlich – jenseits von Tobsucht – dahinter stehen, kann ich euch gerade nicht sagen. Die Drug Policy Alliance versucht, die UN-Vertreter*innen vor seiner unterschwelligen Methode zu warnen, vereinbarte Prozesse unterlaufen zu wollen: „U.N. drug policy is generally reached by a consensus process, necessitating engagement with countries that hold hard-​line views, like Russia. The American document, however, is not a product of normal U.N. procedures. The implications of signing onto the document and the price of appearing with Trump are unclear. “Prior to remarks, Heads of Delegation will participate in a group photo with all the signatories to the Global Call to Action,” the cover letter promises, adding that “the Call to Action is a final document and is not open for negotiation.” The call itself then urges to member states to provide updates at a meeting of the Commission on Narcotic Drugs in March 2019.“ (Gotoground​.com, 18.9.18)

NATION OF SECOND CHANCES

Obama konnte in seiner Präsidentszeit nichts Wesentliches an den Drogengesetzen ändern, hat aber mit der Macht seines Amtes 1.715 Menschen, die teils Jahrzehnte wegen Bestrafungen für gewaltlose Drogendelikten im Gefängnis saßen, die Haft erlassen. Nation of Second Chances erzählt ihre Geschichten. Folgt ihnen unbedingt z.B. auf Instagram oder Facebook. Ihre Biographien sind sehr berührend, da sie würdevoll von Mut und Kraft, aber auch eben durch Drogenpolitik genommene Lebenszeit und auseinander gerissenen Familien erzählen. Nation of Second Chances ist eine Aktion voller Wertschätzung und Würde, die sichtbar macht, für wen und wofür wir uns einsetzen, wenn wir uns gegen Kriminalisierung einsetzen.

CANNABIS LEGALISIEREN, WEIL CANNABIS NICHT ZU DEN GEFÄHRLICHEN DROGEN GEHÖRT“

Unter der Euphorie der Cannabislegalisierungen u.a. in einigen Staaten in den USA sollten wir also nicht aufhören, Gesetze(sverschärfungen) gegen Gebraucher*innen anderer Substanzen zu kritisieren und zu bekämpfen. Cannabislegalisierung geht für viele mit einer Stigmatisierungsverschiebung einher und bemüht keine grundsätzlich neuen Ansätze in der Drogenpolitik. Etwa die Argumentation „Cannabis gehört nicht zu den gefährlichen Drogen und sollte deswegen nicht verboten sein“ ist problematisch, weil sie das Kriminalisieren von Drogengebraucher*innen nicht nur nicht thematisiert, sondern auch noch grundsätzlich als korrekt impliziert und somit reproduziert. Anders gesagt, wenn man nur so argumentiert, trägt man dazu bei, den war on drugs aufrecht zu erhalten.

Diese Aussage impliziert übrigens auch, dass Drogen nach ihrem gesundheitlichen Gefährungspotenzial in illegal und legal sortiert worden seien. Dafür gibt es aber weder historisch noch medizinisch einen Anlass. Wer noch keinen Vergleich einiger Substanzen nach Schädigungspotenzial kennt, findet den anerkanntesten von David Nutt und seinem Team zum Beispiel hier.

Psychoaktive Substanzen sollten aber auch nicht nach Gefährdungspotenzial in illegal und legal eingestuft werden, da die Prohibition ja die potenziellen Schäden erhöht. Wie wäre außerdem eine solche Grenze zu ziehen?

ENTKRIMINALISIERUNG VON CANNABIS IN SÜDAFRIKA

In Südafrika wurden Besitz und privater Anbau von Cannabis entkriminalisiert. Ohne Mengenangaben lädt das Gesetz aber noch zu polizeilicher Willkür ein:
talkingdrugs​.org/​s​o​u​t​h​-​a​f​r​i​c​a​-​d​e​c​r​i​m​i​n​a​l​i​s​e​s​-​p​e​r​s​o​n​a​l​-​c​a​n​n​a​b​i​s​-​u​s​e​-​a​n​d​-​c​u​l​t​i​v​a​t​ion

MUT UND WIDERSTAND IN DEN PHILIPPINEN UND MEXIKO

Der Deutschlandfunk Kultur lieferte eine tolle Reportage über den philippinischen Drogenkrieg mit einem besonderen Blick auf die hohe Verbreitung von Krankheiten, der Bestrafung bei medizischer Hilfe und Ärzt*innen, Sozialarbeiter*innen und Anwält*innen, die trotzdem helfen.
deutschlandfunkkultur​.de/​d​r​o​g​e​n​k​r​i​e​g​-​a​u​f​-​d​e​n​-​p​h​i​l​i​p​p​i​n​e​n​-​f​a​t​a​l​e​-​n​e​b​e​n​w​i​r​k​u​n​g​e​n​.​9​7​9​.​d​e​.​h​t​m​l​?​d​r​a​m​:​a​r​t​i​c​l​e​_​i​d​=​4​2​7​301

Am Freitag demonstrierten Zehntausende Menschen in Manila:

Kirche – „Nie wieder Diktatur“: Zehntausende demonstrieren gegen Duterte

Das VICE Magazin interviewte 5 Journalismus-​Studis in Mexiko über ihre Motivation.
vice​.com/​d​e​/​a​r​t​i​c​l​e​/​m​b​k​x​y​p​/​k​a​r​t​e​l​l​e​-​k​o​r​r​u​p​t​i​o​n​-​m​o​r​d​-​s​t​u​d​i​e​r​e​n​d​e​-​a​u​s​-​m​e​x​i​k​o​-​e​r​z​a​e​h​l​e​n​-​w​a​r​u​m​-​s​i​e​-​t​r​o​t​z​d​e​m​-​j​o​u​r​n​a​l​i​s​m​u​s​-​m​a​c​h​e​n​-​j​o​u​r​n​a​l​i​s​ten

In Mexiko sind 2017 noch mehr Menschen ermordet worden als in den Jahren zuvor.
mybrainmychoice​.de/​h​a​n​f​p​a​r​a​d​e​-​2​0​1​8​-​r​e​de/

FLUCHT UND DROGENKRIEG

Talking Drugs schreibt über den Zusammenhang vom Drogenkrieg und ungewollter Migration in Bangladesh. Zusammengefasst: Das Narrativ „Sie bringen Drogen ins Land“ tötet.
talkingdrugs​.org/​t​h​e​-​r​o​h​i​n​g​y​a​-​d​r​u​g​s​-​a​n​d​-​n​a​r​r​a​t​i​v​e​s​-​o​f​-​d​i​f​f​e​r​e​nce

AUDIOAUFNAHME CANNABUSINESS UND CANNABISPOLITIK

Von unserem #mybrainmychoice-​Podium über CannaBusiness und Cannabispolitik in Kanada und Deutschland gibt es eine Audioaufnahme zum Nachhören. Vielen Dank fürs Aufbereiten, Octobird!

VIDEOAUFNAHME „WEM GEHÖRT DER RAUSCH?“

Auch von der #mybrainmychoice-​Rede auf der Tanzdemo gibt es eine Aufnahme. Zum Video und dem Text geht es hier.

#MEINEDRITTEOPTION
#AKTIONSTANDESAMT2018

Mit Begeisterung für eine weitere Selbstbestimmungs-​Bewegung möchte ich abschließend auf die Aktion Standesamt 2018 hinweisen. Schickt dem Standesamt eurer Geburt in der Woche vom 8. Oktober ein Formular für den Geschlechtseintrag eurer Wahl oder bringt es persönlich vorbei, macht davon ein Selfie oder Foto vom Einwurf und teilt es mit den Hashtags in euren Netzwerken. Das Bundesverfassungsgericht hat geurteilt, dass es eine Dritte Option geben muss. „Für die Umsetzung soll ein Gesetz erlassen werden, das sich am Gutachten „Geschlechtervielfalt im Recht“ des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR) orientiert. Das Gutachten wurde vom Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) in Auftrag gegeben. Neben einer Analyse des deutschen Rechts bezüglich Zweigeschlechternormen und den Belangen von trans* und inter* Personen, beinhaltet es auch einen Gesetzesvorschlag, der einerseits eine offene, barrierearme dritte Option, daneben auch die Option, die Angabe freizulassen, vorschlägt.“ (aktionstandesamt​.de) Die CDU will dies in der gesetzlichen Umsetzung erschweren und pathologisieren (surprise…). Alle Infos zum Mitmachen und Formularvordrucke findest du auf der Aktions-​Website.

Liebe Grüße, auch von Julia
Philine


FÜR UNSERE TERMINKALENDER

11. & 12.10. Hamburg
12. Akzept-​Kongress 2018
akzept​.org/​u​p​l​o​a​d​s​0​5​1​7​/​1​2​a​k​z​e​p​t​k​o​n​g​r​e​s​s​2​0​1​8​w​e​b​.​pdf

11.10. Hamburg
High sein, der totale Rausch – Lesungen und Diskussion
AG Dropo Hamburg, Anmeldung erbeten
facebook​.com/​e​v​e​n​t​s​/​2​9​8​9​9​0​2​0​4​1​8​8​9​33/

20.10. Dresden
Fietes Kamingespräche
https://​www​.facebook​.com/​e​v​e​n​t​s​/​3​0​6​8​4​1​7​8​6​5​6​3​9​10/

16. – 18.11. Alte Münze, Berlin
Cannabis normal! Konferenz 2018
facebook​.com/​e​v​e​n​t​s​/​1​5​8​5​2​4​3​4​3​1​5​3​7​4​5​7​/​1​8​4​4​9​5​5​3​2​5​5​6​6​265

19. – 21.11. z‑Bau, Nürnberg
ISKA: 17. Fachtagung für innovative Drogenarbeit
iska​-nuernberg​.de/​u​e​b​e​r​l​e​b​e​n​/​t​a​g​u​n​g​.​h​tml

28.4. – 1.5.19 Porto, Portugal
Harm Reduction International Conference
hri​.global/​h​r​1​9​c​o​n​f​e​r​e​nce

Jeden ersten Donnerstag im Monat
CannaFem Girl’s Night Out – CannaFem Network
facebook​.com/​p​g​/​c​a​n​n​a​f​e​m​.​n​e​t​w​o​r​k​/​e​v​e​n​ts/

Du möchtest auf eine Veranstaltung hinweisen? Gerne! Schreib uns einfach eine Nachricht.


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Ein Kommentar

  1. […] in den USA über die Aus­wei­tung der Repres­si­ons­be­fug­nis­se fürs Inland, von der ich in den letz­ten News berich­tet hat­te, ging gegen Ses­si­ons‘ Geset­zes­pa­ket aus! Und eine wei­te­re gute […]

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