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Bild: Nick Ansted

MBMC episode 28

Liebe Social Innovators, liebe Interessierte, gestern Abend haben Julia und ich uns zusammengesetzt, um unsere Aktionen für den Herbst und den Winter des Jahres zu planen: zwei oder evtl. drei Veranstaltungen, Sticker nachdrucken, Finanzierung und wie wir Ideen von euch in unsere Arbeit einbinden können. Wir informieren euch jeweils wieder dazu, wenn es soweit ist. Nun zu den aktuellen mbmc‐​News: Trump hat der Kakaobohne den Krieg erklärt…


#WARONCHOCOLATE

Leider hat der Spaß ein Loch. Trump hat es geschafft, dass etwa 130 UN-Staatenvertreter*innen sein Dokument zur globalen Verschärfung der Drogenkriege unterschrieben haben. Offenbar hat er beispielsweise auch den Druck auf Kolumbien wieder erhöht, sodass dort die kleinen Abwege von der Repression wieder zu polizeilicher Willkür und Pathologisierung getrieben werden. Zur Drogenpolitik Kolumbiens und den Beziehungen zu den USA hat Maria McFarland Sánchez‐​Moreno ein Buch geschrieben.

Es gibt immerhin auch gute Nachrichten: Die Abstimmung in den USA über die Ausweitung der Repressionsbefugnisse fürs Inland, von der ich in den letzten News berichtet hatte, ging gegen Sessions‘ Gesetzespaket aus! Und eine weitere gute Nachricht: Die Zeitungen haben nicht nur über das UN‐​Dokument berichtet, sondern auch über die Konferenz der Global Commission on Drug Policy, die fast zeitgleich in Mexiko‐​City stattfand. Die GCDP empfiehlt in ihrem Bericht für 2018 den Kurs Richtung Legalisierung bzw. Regulierung durch Staaten.

DRUG REPORTERS KNOW THIS IS A WAR―SO WHY DON’T WE COVER IT LIKE ONE?

Der Krieg gegen Drogen ist ein Krieg gegen Menschen. Das findet auch der US‐​Journalist Christopher Moraff und fordert seine Kolleg*innen auf, entsprechend zu berichten. Ich finde den Bericht äußerst lesenswert und wichtig, daher möchte ich ihn euch hier wärmstens empfehlen.

AUFKLÄRUNG“

Ihr kennt das bestimmt auch, dass „Aufklärung“ als neuer und besserer Weg zur jetzigen Drogenpolitik aufgezeigt wird (bspw. als Motto der Hanfparade 2018). Es gibt zwei Dinge, die mich an der Idee der „(Drogen-)Aufklärung“ stören:

  1. Aufklärung“ gilt in der aktuellen Drogenpolitik (bspw. im deutschsprachigen Raum) als Säule neben der Repression, also nicht als ein anderer Ansatz. Es soll vermittelt werden, dass die Polizei neben dem harten Law‐​and‐​order‐​Ansatz insbesondere beim Jugendschutz auch einen weichen Ansatz verfolgt. Es wird ein Zusammenhang vermittelt, dass diese Ansätze zusammen sinnvoll seien, ohne dass dies auch nur irgendwie nachgewiesen werden kann. Es ist mittlerweile längst bekannt, dass die repressiven Ansätze ein Fehler sind. In anderen Worten: Dass die Verfolgung und Bestrafung von Konsument*innen, Produzent*innen und Händler*innen mehr Schäden verursacht als hilft.

    Kleiner Einschub: Ich möchte das Narrativ „Drogenkrieg ist gescheitert“/„The war on drugs has failed“ aber nicht unterstützen: Es wäre hier m. E. wichtig zu hinterfragen, warum man annimmt, dass Repression durch einen Staat überhaupt ein für die adressierten Menschen nützliches Mittel sein kann. Desweiteren: „Gescheitert“ impliziert, dass es ein ehrenwertes Ziel gab und ein solches kann ich historisch, bei der Entstehung der heutigen globalen Drogenpolitik, nicht erkennen…

    Die Idee des Zeitalters der Aufklärung steht für Wissenschaft statt Ideologie und Rationalität statt Glauben. Warum müssen sich aber Regierungen und Polizei, die „Aufklärung“ propagieren, für ihre repressiven Maßnahmen und ihre Drogenaufklärungsprogramme nicht daran messen?

  2. Ein heutiges Beispiel findet man in einer Berichterstattung über die Kärntener Polizei.

  3. Das andere Problem ist die implizierte Bevormundung. Menschen, die andere Menschen aufklären möchten, fühlen sich selbst aufgeklärt. Aber wer setzt den Maßstab und wie sieht der aus?

Und ja, es braucht unbedingt flächendeckende, langfristige und empirisch begleitete Programme für Kinder und Jugendliche, um sie in ihrer Entscheidungskompetenz zu stärken und vor schädlichem Drogengebrauch inkl. Alkohol und Zigaretten zu schützen (bspw. REBOUND). Es braucht ein Schulsystem, Lehrkräfte und Fachleute, die die Kapazitäten und Kompetenzen haben, für die Kids da zu sein, wenn sie nach Unterstützung suchen und um Fragen zu Drogen im Vertrauen beantworten zu können. Aber das sollte nicht im Rahmen der richtigen Drogenpolitik totdiskutiert, sondern kann als Thema der öffentlichen Finanzierung von Infrastruktur und Schulbildung umgesetzt werden.

VERANSTALTUNGSTIPP 31.10. ZUR NORMALISIERUNG VON AUßERGERICHTLICHEN TÖTUNGEN IN DEN PHILIPPINEN

Am 31.10. um 19 Uhr lädt die Heinrich‐​Böll‐​Stiftung in Berlin zu einer Veranstaltung zum philippinischen Drogenkrieg ein und Julia und ich gehen hin.
Es wird um Anmeldung gebeten.

QUEER‐​VERNETZUNG

Vergangenen Freitag war ich beim Queer‐​Vernetzungsabend vom AHA Berlin e.V. und habe dort #mybrainmychoice gepitcht. Es ist Teil unseres Selbstverständnisses, uns mit anderen Selbstbestimmungs‐​Bewegungen zu beschäftigen und zu verbinden. Denn wenn einem gesellschaftlich definierte Merkmale zugeschrieben werden, die einen benachteiligen (Gender, Leistungsfähigkeit, Alter, Sexualität, Klasse, Herkunft, Sprache etc.), ist das Risiko höher, für Drogenkonsum oder -handel kriminalisiert und stigmatisiert zu werden. Ich bin beeindruckt von der Vielzahl von ehrenamtlichen Projekten, die ihr Engagement am Freitag vorgestellt haben, und habe mich sehr über den Austausch gefreut. Wer eine Idee zu einer gemeinsamen Aktion hat, kann sich immer gerne bei uns melden.

AKZEPT‐​KONGRESS 11. & 12.10. HAMBURG

Nächste Woche bin ich auf der Akzept‐​Konferenz in Hamburg.
Wenn du auch da bist, sprich mich super gerne an oder schreib mir vorab! 🙂
Du bist nicht auf dem Kongress, aber in Hamburg? Am Donnerstagabend ist eine Doppellesung im St. Pauli‐​Stadion (Eintritt frei).

THANK YOU, NICK ANSTED

Last but not least: Thank you for your support, Nick Ansted! Nick unterstützt nun auch #mybrainmychoice mit seinen Graphiken zur Illustration unserer Blog‐​Beiträge (ebenso wie meine vorherige Arbeitsgruppe SUBSTANZ).

Liebe Grüße, auch von Julia
Philine

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FÜR UNSERE TERMINKALENDER

11. & 12.10. Hamburg
12. Akzept‐​Kongress 2018
akzept​.org/​u​p​l​o​a​d​s​0​5​1​7​/​1​2​a​k​z​e​p​t​k​o​n​g​r​e​s​s​2​0​1​8​w​e​b​.​pdf

11.10. Hamburg
High sein, der totale Rausch – Lesungen und Diskussion
AG Dropo Hamburg, Anmeldung erbeten
facebook​.com/​e​v​e​n​t​s​/​2​9​8​9​9​0​2​0​4​1​8​8​9​33/

20.10. Dresden
Fietes Kamingespräche: Lass die Finger von dem Zeug! mit Philine
https://​www​.facebook​.com/​e​v​e​n​t​s​/​3​0​6​8​4​1​7​8​6​5​6​3​9​10/

30.10.
SAVE THE DATE
für die 4. #mybrainmychoice‐​Veranstaltung

31.10. Bildungswerk der Heinrich‐​Böll‐​Stiftung, Berlin
Die Normalisierung von außergerichtlichen Hinrichtungen auf den Philippinen
programm.bildungswerk-boell.de/index.php?kathaupt=11&knr=18–1014&kursname=Die+Normalisierung+von+aussergerichtlichen+Hinrichtungen+auf+den+Philippinen&katid=0#inhalt

16. – 18.11. Alte Münze, Berlin
Cannabis normal! Konferenz 2018
facebook​.com/​e​v​e​n​t​s​/​1​5​8​5​2​4​3​4​3​1​5​3​7​4​5​7​/​1​8​4​4​9​5​5​3​2​5​5​6​6​265

19. – 21.11. z‐​Bau, Nürnberg
ISKA: 17. Fachtagung für innovative Drogenarbeit
iska​-nuernberg​.de/​u​e​b​e​r​l​e​b​e​n​/​t​a​g​u​n​g​.​h​tml

24.11. Berlin
SAVE THE DATE
für die 5. #mybrainmychoice‐​Veranstaltung

28.4. – 1.5.2019 Porto, Portugal
Harm Reduction International Conference
hri​.global/​h​r​1​9​c​o​n​f​e​r​e​nce

Jeden ersten Donnerstag im Monat
CannaFem Girl’s Night Out – CannaFem Network
facebook​.com/​p​g​/​c​a​n​n​a​f​e​m​.​n​e​t​w​o​r​k​/​e​v​e​n​ts/

Du möchtest auf eine Veranstaltung hinweisen? Gerne! Schreib uns einfach eine Nachricht.


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Ein Kommentar

  1. […] und für wen sie nütz­lich sind. Wenn ange­führt wird, man kön­ne sie für Sinn­vol­les („Auf­klä­rung“) ver­wen­den, ist das ein fal­scher Hin­weis, da Steu­ern nicht zweck­ge­bun­den […]

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