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Bild: Nick Ansted

MBMC episode 32

Liebe Social Innovators, der 32. Newsletter startet etwas düster mit den Philippinen und Brasilien: Hinweise zu Fotos und einem Audiobericht mitten aus dem philippinischen Drogenkrieg und über Bolsonaros Gewalt gegen Minderheiten in Brasilien. Was können wir ganz unmittelbar dagegen tun? Narrative verändern! Deshalb lasst uns über scheinbar Selbstverständliches sprechen: Was ist eigentlich Rausch? Dazu ein paar Anstöße zum Nachdenken.


PHILIPPINEN

In den Philippinen normalisieren sich die außergerichtlichen Tötungen. Der Fotojournalist Raffy Lerma berichtete sogar von Leuten, die vor den auf den Straßen tot aufgefundenen Menschen und trauernden Familien Selfies machen. Raffy Lerma war von der Philippine Studies Series Berlin zu zwei Veranstaltungen eingeladen, um über den philippinischen Drogenkrieg zu sprechen und konnte uns in seine Erfahrungen und Perspektiven ganz nah am Geschehen einweihen. Seine dokumentierenden Fotos stellt er online gesammelt vor. Sie vermitteln ganz klar die Brutalität, die unter dem Vorwand der Drogenbeseitigung breite Zustimmung erfährt. Die Fotos zeigen, dass der Drogenkrieg ein Krieg gegen Menschen ist und welche Gewalt das vorherrschende Narrativ über die Gefahr von Drogen hervorbringt.
raffylerma​.com/​s​i​x​-​m​o​n​t​hs/

Eine gute Ergänzung zu den Fotos ist diese Audio‐​Reportage von Amnesty International: m.soundcloud.com/amnesty-journal/der-tote-tragt-ein-rotes-hemd-52018

BRASILIEN

Auch der kürzlich gewählte brasilianische Präsident Jair Bolsonaro kündigte einen Drogenkrieg nach Vorbild Duterte an. Wenn außergerichtliche Tötungen seine Drogenpolitik werden, dann wird das vor allem arme und Schwarze Menschen in den Favelas treffen. Am 1. Januar tritt er sein Amt an und stellt sich gerade sein Kabinett mit weiteren maniac Leuten zusammen. Ohne Mehrheit unter den Abgeordneten kann er vermutlich nicht alles gesetzlich umsetzen, was er möchte, aber das ist auch nicht nötig, um großen Schaden anzurichten. Das tut er jetzt schon mit seiner Ermutigung zu Gewalt gegen Minderheiten.

Drogenkrieg: filtermag​.org/​2​0​1​8​/​1​0​/​2​9​/​b​r​a​z​i​l​s​-​d​r​u​g​-​w​a​r​-​g​a​i​n​s​-​n​e​w​-​p​l​a​t​f​o​r​m​-​w​i​t​h​-​e​l​e​c​t​i​o​n​-​o​f​-​n​e​w​-​p​r​e​s​i​d​e​n​t​-​j​a​i​r​-​b​o​l​s​o​n​a​ro/
Pressefreiheit: zeit.de/politik/ausland/2018–11/brasilien-jair-bolsonaro-vorgehen-pressefreiheit-kritische-medien
Militär‐​Kabinett: amerika21​.de/​2​0​1​8​/​1​1​/​2​1​7​6​8​7​/​m​i​l​i​t​a​e​r​-​k​a​b​i​n​e​t​t​-​b​o​l​s​o​n​a​r​o​-​b​r​a​s​i​l​ien
Gegen Minderheiten: tagesspiegel​.de/​t​h​e​m​e​n​/​r​e​p​o​r​t​a​g​e​/​b​r​a​s​i​l​i​e​n​-​n​a​c​h​-​d​e​r​-​w​a​h​l​-​j​a​i​r​-​b​o​l​s​o​n​a​r​o​-​w​i​l​l​-​b​r​a​s​i​l​i​e​n​-​r​a​d​i​k​a​l​-​a​n​d​e​r​s​/​2​3​6​3​4​5​9​0​.​h​tml

WAS IST RAUSCH?

Was können wir nun von zu Hause aus tun? Narrative ändern! Uns für Selbstbestimmung einsetzen und Leute darauf hinweisen, nicht schlecht über Drogennutzer*innen zu sprechen.

Wenn man über Drogen redet, scheinen gewisse Dinge ganz selbstverständlich zu sein. Beispielsweise wird der Drogenrausch ganz eng im Zusammenhang mit Abhängigkeit/​Sucht verstanden, wo aber doch bei einer Abhängigkeit/​Sucht die Substanz nur eine vergleichsweise kleine Rolle im Vergleich zu sozialen und persönlichen Faktoren spielt. Die Faktoren, die eine Sucht begründen, sind individuell sehr unterschiedlich. Auch ist erwiesen, dass die Mehrheit der Drogenkonsumierenden nicht abhängig/​süchtig ist.

Beim Automatenspiel und Smartphone‐​Nutzung von Jugendlichen wird die Verbindung zur Sucht wiederum öfter zusammen gedacht, bei Sport und Shopping, die ebenso mit Abhängigkeit/​Sucht verbunden sein können, seltener.

Rausch wird aktuell als Gegensatz zum Arbeitsalltag begriffen, als Aufgabe der Selbstkontrolle und als Risiko für die Gesundheitsoptimierung. Wer sich nicht kontrolliert und legal berauscht, wird kriminalisiert und pathologisiert. Das war aber nicht schon immer so.

Diese sich verändernden Narrative über Rausch erfasst die Pädagogin Svenja Korte als Rauschkonstruktionen. In ihrem gleichnamigen Buch erläutert sie den historischen Wandel der Vorstellungen über Rausch und das aktuell in Deutschland dominierende Verständnis. Da sie nicht nur den Diskurs vorstellen, sondern den rein negativen Bildern auch Positives entgegensetzen wollte, führte sie im Rahmen ihrer qualitativen Forschung 15 Interviews mit Drogennutzer*innen und Sozialarbeiter*innen durch.
springer​.com/​d​e​/​b​o​o​k​/​9​7​8​3​5​3​1​1​5​5​180

Mehr zu ihrem Buch wann anders nochmal. Bis dahin würde ich gerne von euch wissen:

Was ist für dich Rausch?

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Liebe Grüße, gerade aus der Wiener Uni‐​Bib, und ebenso von Julia aus Berlin
Philine

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VERANSTALTUNGEN

7.12. 19:00 Uhr Mut‐​Fabrik, Leipzig
Psychedelic Stories – Teile deine Erfahrungen.
mit unserem Community‐​Mitglied Max Wüsten
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7. & 8.12. Wien
International Cannabis Policy Conference
Veranstalter*innen: FAAAT, Knowmad Institut und weitere
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10.12. 19:00 ACUD Kunsthaus
Unfairtobacco Filmfest 2018 – Berlin
Veranstalter*in: Unfairtobacco
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25.2. 19:00 Periplaneta Literaturcafé, Berlin
#mybrainmychoice bei der Partei der Humanisten Berlin
Vortrag & Diskussion

28.4. – 1.5.2019 Porto, Portugal
Harm Reduction International Conference
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Jeden ersten Donnerstag im Monat
CannaFem Girl’s Night Out – CannaFem Network
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