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Rede: Wem gehört der Rausch?

Phi­li­ne sprach auf der Ber­li­ner Tanz­de­mo „Wem gehört die Stadt?“ am 8.9.2018 zu den The­men Pro­hi­bi­ti­on, Selbst­be­stim­mung und Kul­tu­rel­ler Frei­raum. Schä­den der Pro­hi­bi­ti­on für pas­sen­de Sub­stan­zen, Sets und Set­tings könn­ten kurz­fris­tig ganz ein­fach ver­min­dert wer­den. Räu­me zum gemein­sa­men Erle­ben und Erar­bei­ten von Selbst­be­stim­mung sol­len Ber­lin erhal­ten blei­ben.

Lese­zeit: 4 Minu­ten


Ich bin Phi­li­ne und das ist Julia. Wir sind das Team hin­ter #mybrain­my­choice. Wir enga­gie­ren uns dafür, dass mehr Men­schen über Dro­gen und Dro­gen­po­li­tik reden.

Ille­ga­le Dro­gen sind nicht ille­gal, weil sie ein Schä­di­gungs­po­ten­zi­al mit sich tra­gen. Risi­ken geht man auch beim Berg­stei­gen, beim Auto­fah­ren und im Haus­halt ein. Das Scha­dens­po­ten­zi­al ist tat­säch­lich höher, wenn Sub­stan­zen ille­gal und nicht ver­nünf­tig regu­liert sind. Gefähr­li­che Streck­mit­tel, intrans­pa­ren­te Dosen, Zurück­hal­tung beim Rufen von Kran­ken­wä­gen, Kri­mi­na­li­sie­rung im Jugend­al­ter, Füh­rer­schein­ent­zug bei Besitz, Dro­gen­krie­ge in Anbau- und Tran­sit­län­dern, Dro­gen­krie­ge im Namen der Besei­ti­gung von Dro­gen, Fol­ter und Todes­stra­fen.

Um die glo­bal ver­brei­te­te Straf­ver­fol­gung von eini­gen Drogengebraucher_​innen seit 1961 wie­der in fried­li­che Wege zu len­ken, ist noch viel zu tun. Aber es gibt ganz simp­le dro­gen­po­li­ti­sche Schrit­te, die unter der jet­zi­gen Ver­bots­po­li­tik unmit­tel­bar Schä­den der Pro­hi­bi­ti­on ver­min­dern kön­nen.

Wir wol­len in unse­ren Clubs Awa­reness-Teams und Drug-Che­cking. Über­do­sie­run­gen, schlech­te Trips auf etwas ande­res, als man erwar­tet hat, und Ver­gif­tun­gen durch Streck­mit­tel sind ver­meid­bar.

Und wir wol­len den Unter­schied im Schä­di­gungs­po­ten­zi­al zwi­schen gesell­schaft­li­chen Klas­sen ver­rin­gern. Wer eine Abhän­gig­keit und wenig Geld hat, soll Zugang zu sau­be­ren Sprit­zen und gesund­heit­li­cher Ver­sor­gung in Dro­gen­kon­sum­räu­men haben. Im Gegen­satz bei­spiels­wei­se zu Bay­ern gibt es zwar in Ber­lin Dro­gen­kon­sum­räu­me, sie decken aber den Bedarf nicht.

Ein berei­chern­der Dro­gen­kon­sum braucht die pas­sen­den Sub­stan­zen, Set und Set­ting. Sub­stan­zen vom intrans­pa­ren­ten ille­ga­len Markt – dass man in eini­gen Krei­sen oder Fami­li­en nicht offen über Dro­gen spre­chen kann, ohne Aus­gren­zung oder sogar Kri­mi­na­li­sie­rung befürch­ten zu müs­sen – und Sor­gen wie die Mie­te viel­leicht nicht mehr bezah­len zu kön­nen, sind aber pro­ble­ma­ti­sche Rah­men­be­din­gun­gen.

Fei­ern kann gesell­schaft­lich berei­chernd sein. Aller­dings weni­ger, wenn wir den Rausch am Wochen­en­de lang­fris­tig nut­zen, um unter der Woche funk­tio­nie­ren zu kön­nen. Viel­mehr soll­ten kul­tu­rel­le Räu­me in ihrer Ganz­heit begrif­fen wer­den. Wir kön­nen uns in Räu­me bege­ben, die uns gedank­li­che und kör­per­li­che Frei­heit geben. Orte, an denen wir von Kon­ven­tio­nen los­las­sen kön­nen.

Eini­ge Clubs und Kul­tur­stät­ten schaf­fen Frei­räu­me für das Erle­ben von Sexua­li­tät, ein ver­trau­ens­vol­les Mit­ein­an­der, den Aus­tausch von inspi­rie­ren­den Ide­en, das Kre­ieren von gesell­schaft­lich wert­vol­len Pro­jek­ten und künst­le­ri­schen und poli­ti­sche Bei­trä­gen. Raum also, für das kol­lek­ti­ve Gestal­ten und Erle­ben von Selbst­be­stim­mung. Man­che Men­schen fei­ern und kre­ieren mit ille­ga­li­sier­ten, ande­re mit lega­len, ande­re ohne Dro­gen. So oder so – wir brau­chen die­se künst­le­ri­schen Frei­räu­me, um unse­ren Gedan­ken eine Aus­zeit und Raum für Krea­ti­ves geben zu kön­nen.

Für die­se kul­tu­rel­len Frei­räu­me und für die kol­lek­ti­ve Selbst­be­stim­mung über die Gestal­tung unse­rer Kieze und unse­rer Räu­sche set­zen wir uns heu­te mit euch ein!

Ein Kommentar

  1. […] Auch von der #mybrain­­my­choice-Rede auf der Tanz­de­mo gibt es eine Auf­nah­me. Zum Video und dem Text geht es hier. […]

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