Gemeinsame Pressemitteilung von vista, JES Berlin, Notdienst für Suchtmittelgefährdete und ‑abhängige Berlin e.V., Fixpunkt gGmbH und Fixpunkt e.V., My Brain My Choice und BerLUN
Berlin verzeichnet mit 300 Drogentodesfällen in 2025 einen traurigen Rekord
Am 21. Juli 2026, dem Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende, wird in rund 100 Städten an Menschen erinnert, die durch den Konsum illegalisierter Substanzen ihr Leben verloren haben. Neben der Trauer und dem Gedenken an Freund*innen, Verwandte und Klient*innen stehen Aktionen und Diskussionen im Vordergrund.
Berliner Bündnis fordert Weiterentwicklung der Hilfsangebote am 21. Juli
Menschen, die Drogen konsumieren, werden in Berlin durch ein vielfältiges und qualitativ hochwertiges Hilfesystem unterstützt. Doch trotz Drogenkonsumräumen, mobilen Angeboten, einem deutschlandweit einzigartigen Drugchecking-Angebot und vieler weiterer Maßnahmen starben in Berlin im Jahr 2025 insgesamt 300 Menschen an den Folgen des Konsums illegalisierter Substanzen – so viele wie nie zuvor. Ein trauriger Höchststand.
„Wir dürfen uns an den Tod dieser Menschen nicht gewöhnen, sondern müssen im Schulterschluss Angebote weiterentwickeln. Jeder vermeidbare Drogentodesfall ist einer zu viel. Daher lautet das diesjährige Motto „Verändern, um Leben zu retten!“. Verändern heißt, wissenschaftlich belegte Maßnahmen konsequent umzusetzen, niedrigschwellige Hilfen auszubauen und auf neue Herausforderungen mit passgenauen Angeboten zu reagieren“, sagt Stefan Wiedemann der vista gGmbH.
Besonders gefährdet: Menschen ohne Obdach
Drogenabhängigkeit kann Menschen in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen treffen. Besonders hoch ist das Risiko jedoch für Menschen ohne Wohnung oder in prekären Lebensverhältnissen. Es ist unübersehbar, dass die Zahl wohnungsloser Menschen in Deutschland, aber auch in Berlin zunimmt.
„Diese Menschen bedürfen unsere besondere Aufmerksamkeit“, betont Marc Seidel von JES Berlin. „Damit sich Menschen mit ihrer Drogenabhängigkeit auseinandersetzen können, brauchen sie zuerst Wohnraum, Nahrung und Sicherheit“, so Seidel weiter.
Antje Matthiesen vom Drogennotdienst Berlin ergänzt: „Daher gilt es, das Augenmerk verstärkt auf die Ausweitung von temporären Unterkünften, betreuten Wohnprojekten aber auch eignen Wohnraum zu richten. Auf diese Weise können wir auch einen Beitrag leisten, Konflikte im öffentlichen Raum zu reduzieren.“
Crack als Herausforderung ansehen
Im öffentlichen Raum, aber auch in Drogenkonsumräumen, nimmt der Konsum von Crack zu. Bisher steht keine medizinische Behandlung wie für Opioidkonsumen*innen zur Verfügung. Daher gilt es Schritte zu gehen, um eine Form der Cracksubstitution analog der opioidgestützten Substitutionsbehandlung zu etablieren. Für bestehende Substitutionsangebote gilt:Substitution rettet Leben und muss noch niedrigschwelliger werden.
Gedenkveranstaltung in Berlin
„Verändern, um Leben zu retten“ ist deshalb mehr als das Motto des diesjährigen Gedenktages: Es ist ein Auftrag, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und die Unterstützung für Menschen, die Drogen konsumieren, weiter auszubauen. Der Gedenktag verbindet die Erinnerung an die Verstorbenen mit dem Engagement dafür, bestehende Hilfen weiterzuentwickeln, Versorgungslücken zu schließen und Menschen besser zu erreichen.
Pressekontakte:
- Chantal Freyer chantal.freyer @ vistaberlin . de
- Thomas Luthmann tluthmann @ notdienstberlin . de
Die Berliner Gedenkveranstaltung findet am Dienstag, 21. Juli 2026 um 14:00 Uhr auf dem Oranienplatz in Kreuzberg statt.
