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Kategorie: Appelle

Die Menschenwürde“ – Ein Gedicht von Beate Stör

Unantastbar soll sie sein – die Menschenwürde.
So steht es im Gesetz geschrieben.
Es einzuhalten ist – bei Gott –
für manchen eine schwere Bürde.

Leicht ist’s bei „normalen Leuten“
wie wir gesellschaftlich sie deuten.
Arbeit, Einkommen und Struktur,
so muss es sein, dann gilt man nur
etwas – im Allgemeinen.
Ist „Sein“ nicht wichtiger als „Scheinen“?

Ist ein Mensch nicht gut in Form
und entspricht nicht dieser Norm,
dann wird sie zu beachten schwer.
Wer hat das Recht zu werten – wer?

Ist der Mensch nur etwas wert,
wenn er mit dem Strom mitfährt?
Was ist mit all den vielen Kranken
die mit Sucht durchbrechen Schranken?
Anderes denken, anderes glauben;
Wer maßt sich an, sie ihrer Würde zu berauben.
Auch all den Menschen, die halt eben,
schlicht und einfach anders leben?

Die Menschenwürde von jedem zu respektieren,
auch stets so zu handeln, zu praktizieren,
dass – jedes Menschen – egal wie man es misst,
Würde unantastbar ist.

Ein Sprichwort aus den Kindertagen,
besser kann man es nicht sagen:
„Was du nicht willst was man dir tu,
das füg auch keinem anderen zu!“
Klingt einfach, wenn man es denn lebt,
und stets danach zu handeln strebt.

Lasst gemeinsam uns beginnen
und, sei es täglich – uns neu besinnen.
Jeder für sich – auch schon im Kleinen,
dann kann und wird – so will ich meinen,
der Menschenwürde Gutes getan.
Sie gilt für alle – packen wir’s an!

(Beate Stör, Juli 2017)


Alle Beiträge von Beate Stör bei uns im Blog sind hier aufgelistet.

Mein Kind nimmt Drogen. Was nun?“

Heidrun Behle und Jürgen Heimchen leiten die Elterninitiative für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik Wuppertal. In ihrem Selbstverständnis erklären sie ihren Ansatz und richten sich an Eltern, die sich fragen: „Mein Kind nimmt Drogen. Was nun?“

Die Arbeit unserer Gruppe hat einen breitenwirksamen Gesundheitsförderungs-​Charakter. Durch die Selbsthilfe der betroffenen Eltern wird nicht nur die eigene Genesung zu erreichen versucht, sondern durch den Schwerpunkt „akzeptierender Elternarbeit“ auch eine Schadensminimierung für unsere Drogen gebrauchenden Kinder angestrebt.

In unserem Elternkreis findet Elternselbsthilfe im gemeinsamen Gruppenprozess ohne Fremdhilfe statt. Die gleichen Sorgen, Nöte, Ängste, die gleichen Hoffnungen und Wünsche, aber auch die gleiche Wut und Verzweiflung haben uns zusammengeführt. Durch den Austausch von Informationen und Erfahrungen der Gruppenmitglieder untereinander und deren Mithilfe bei der Suche nach Lösungsmöglichkeiten in Krisensituationen werden Selbsthilfekräfte jedes einzelnen angeregt.

Die Gruppe bietet Schutz und Geborgenheit, ist ein Ort des Erfahrungsaustausches, Raum, wo man sich fallen lassen kann und lernen kann, Menschen, Sachverhalte und sich selbst aus einem anderen Blickwinkel wahrzunehmen und ihnen gegebenenfalls einen anderen Stellenwert einzuräumen. Die Gruppe hat somit eine entlastende Funktion. Entlastend nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Gesellschaft, da Selbsthilfe so gut wie kostenlos ist. Würde der immense Druck, unter dem Angehörige von Drogenkranken stehen, nur über professionelle Hilfe abgebaut, wäre dies ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor im Gesundheitswesen.

Im Mittelpunkt der Selbsthilfe steht in der Regel die eigene Person und die Bewältigung der eigenen Konflikte. Doch das Drogenproblem erfasst die ganze Familie. Die Schlussfolgerung daraus ist, dass wir Eltern uns um das Wohl aller Familienmitglieder bemühen, und das schließt unser drogenabhängiges Kind mit ein. Daraus ergibt sich für uns Eltern die soziale und gesellschaftliche Verpflichtung, Einfluss zu nehmen, dass sich die derzeitigen diskriminierenden und ausgrenzenden Lebensbedingungen der Drogenabhängigen zugunsten menschenwürdiger und integrativer Lebensmöglichkeiten verbessern. Auch für diejenigen Abhängigen, die es nicht schaffen, auf Dauer abstinent zu leben.

Öffentlichkeitsarbeit (freiwillig) und Weiterbildung ist unverzichtbarer Bestandteil unserer Gruppenarbeit.


Abschließende Anmerkungen von der #MyBrainMyChoice Initiative:

Wir freuen uns über das Vertrauen, den Beitrag bei uns im Blog veröffentlichen zu dürfen und die Arbeit der Elterninitiative auf diesem Weg unterstützen zu können. Die Termine der Treffen können Sie der PDF-​Verson oder dieser Website entnehmen.

In einem weiteren Beitrag geben wir ihre Positionierung zur Illegalität von Drogen wider: „Legalisierung aus Sicht der Eltern“

Wenn Sie nach dem Lesen des Beitrags offene Fragen haben, schreiben Sie uns eine Nachricht! Wir werden sie weiterleiten und zusammen beantworten.

Wir helfen gerne, einen Akzeptierenden Elternkreis in Ihrer Nähe zu finden. Bei uns im Blog stellen wir außerdem den Elternkreis Leutkirch im Allgäu vor.

Legalisierung aus Sicht der Eltern

Das Positionspaper der Elterninitiative für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik Wuppertal zur Frage der Legalität von Drogen (Erstveröffentlichung 2014):

Wie alle Eltern hatten auch wir den Wunsch, dass unsere Kinder sich nicht vom rechten Pfade abbringen ließen, insbesondere keine verbotenen Früchte probierten, und ihren Lebensweg weitab jeglicher Straffälligkeit beschreiten würden. Mit voller Wucht riss uns die Realität ins scheinbar Bodenlose, als wir vom Drogenkonsum unserer Kinder – auch noch Heroin ! – erfuhren. Die Abwärtsspirale der Familie war in Gang gesetzt: die Drogen konsumierenden Kinder gerieten mit dem Gesetz in Konflikt, hauptsächlich durch Beschaffungskriminalität, verloren die Arbeitsstelle oder waren nicht mehr in der Lage, ihre Ausbildung zum Abschluss zu bringen. Die Eltern kämpften nach allen Seiten: gegen ihre Kinder, die aufhören sollten damit; gegen ihre Ängste, dass der – illegale – Drogenkonsum in der Nachbarschaft und der Verwandtschaft auffallen könnte, dass die Polizei die Kinder erwischte; und zuletzt kämpften sie gegen ihre ständige Angst um das Leben ihrer Kinder an. Energie raubende und krank machende Umstände. Was liegt da näher als der Wunsch, die Drogen aus der Welt zu schaffen!?

Im Jahr 1993 fand der 2. Drogenkongress von Akzept e. V. in Hamburg statt, den wir Eltern erstmalig besuchten. Wir wollten mithelfen, die Verelendung und das Sterben der Drogenkonsumenten zu stoppen. So weit waren wir dann schon. Aber die, aus unserer damaligen Sicht provokante, These des Kongresses „Ohne Legalisierung geht es nicht“ erschütterte uns zutiefst. Unsere Hoffnungen lagen bis dahin allein in den „Clean-​Therapien“ und das Abstinenzdogma war verinnerlicht. Wieso forderten Vertreter der professionellen Drogenhilfe, Professoren und Ärzte die Legalisierung des Teufelszeugs?

Die täglich erlebte Realität des Drogen-​Alltags unserer Kinder zwang uns zum Nachdenken. Die „Drogenkarriere“ ließ sich von uns nicht aufhalten. Wir erkannten, dass wir unsere Kräfte anders einsetzen mussten. Wir konnten unsere Kinder nicht ändern, aber versuchen, die diskriminierenden Lebensbedingungen zu verbessern zugunsten menschenwürdiger Lebensmöglichkeiten. Wir wollten nicht länger gegen „die“ Drogen kämpfen, was ja hieß, alle Konsumenten illegaler Drogen, somit auch unsere eigenen Kinder, zu bekämpfen. Sie stattdessen in ihrer Sucht anzunehmen und zu helfen, wenn sie es wünschten, machten wir uns zur Aufgabe. Das bedeutete auch, uns mehr Informationen über Abhängigkeit und Sucht zu beschaffen, die Wirkungsweisen der verschiedenen Drogen zu verstehen und uns auch mit der Geschichte der Drogen in den unterschiedlichen Epochen zu befassen. Wir lernten, dass psychoaktive Substanzen schon seit jeher Wegbegleiter der Menschheit über Jahrhunderte hinweg waren und zeitweise als Allheilmittel galten, aber genauso immer wieder verteufelt wurden – je nachdem, für was, für wen oder wozu es gerade passend war. Aus dem für uns neuen Blickwinkel heraus und mit dem Wissen, dass Cannabis bis ins 20. Jahrhundert gesellschaftlich integriert war, d. h., dass es bis dahin wirtschaftlich, medizinisch und genussorientiert genutzt wurde, entschlossen sich Eltern und Angehörige unseres Landesverbandes NRW im Mai 1997 eine Unterschriftenaktion für die Legalisierung von Cannabis am Hauptbahnhof in Essen durchzuführen. Innerhalb weniger Stunden sammelten sie über 3000 (dreitausend!) Unterschriften hierfür. Die Bildzeitung titelte am 12. Mai 1997: „Freigabe von Hasch – Eltern kämpfen dafür!“. Nach dieser Aktion wurde es etwas ruhiger bezüglich dieser Forderung, denn wir Eltern waren in den Folgejahren stark um das Überleben unserer opiatabhängigen Kinder und Angehörigen bemüht. Die Anzahl der Menschen, die Opfer der repressiven Drogenpolitik wurden, immer mehr verelendeten und starben, wuchs ständig.

Schließlich kamen wir nicht umhin, das Abstinenzparadigma zu hinterfragen. Wie kam es überhaupt dazu? Ein Paradigma ist ein kollektives Denkmodell, eine bestimmte Sache betreffend, das zur Gewohnheit wird und meist von einem ganzen Zeitalter geteilt wird. Es schafft eine gewisse Stabilität, aber auch Bequemlichkeit. So fragt man irgendwann nicht mehr, ob ein Gedanke richtig, nützlich oder hilfreich ist. Es genügt, dass alle es sagen. Die Achtsamkeit ist verschwunden, die Kreativität, anders zu denken, lässt nach. Außerdem ist der Abstinenzgedanke eng verknüpft mit der Prohibition, woraus wiederum die Tendenz entspringt, zu moralisieren und stigmatisieren.

Hier setzte bei uns abermals ein Umdenken ein. Denn etwas musste falsch sein am Abstinenzdogma. Wieso schränkten auch drastische Strafen, ja sogar Inhaftierung, den Konsum der illegalen Drogen nicht ein? Die vielen abgebrochenen Entgiftungen und nicht zu Ende geführten Langzeittherapien vor Augen und unsere inzwischen gewonnenen Kenntnisse veranlassten uns nun, Forderungen nach Konsumräumen, Spritzenvergabe in Haftanstalten, Heroinvergabe und weiteren Überlebenshilfen zu stellen. Heute, im Jahr 2014, sind einige dieser Forderungen erfüllt. So ist es an der Zeit, unsere Legalisierungsbestrebungen wieder nach vorne zu bringen. Unsere Erkenntnisse heute:

Die Trennung in legale /​ illegale Drogen ist politischer Natur und kulturhistorisch nicht zu begründen. Durch die Illegalisierung und Verbotspolitik entstehen gravierende Probleme. Die Prohibition kann niemals gesondert von den sozialen Begleiterscheinungen gesehen werden:

Illegalität verhindert realistische Aufklärung, fördert Tabuisierung, hat Unwissenheit, Ignoranz und Diskriminierung zur Folge.

Illegalität hat Beschaffungskriminalität und somit die Kriminalisierung der Konsumenten zur Folge, einhergehend mit immens hohen Kosten für die Strafverfolgungsbehörden bzw. für unsere Gesellschaft.

Illegalität hat die Bildung mafioser, gefährlicher Strukturen zur Folge.

Illegalität bietet keinerlei Sicherheiten bezüglich der Reinheit der Substanzen.

Illegalität begünstigt Übertragung und Ausbreitung von Krankheiten wie Aids und Hepatitis.

Illegalität und drastische Strafen schränken den Konsum kaum ein.

Eine Legalisierung hingegen würde unserer Meinung nach die oben aufgeführten Auswirkungen umkehren. Den letztgenannten Punkt betreffend: Die Anzahl der Drogengebraucher würde durch die Legalisierung kaum steigen! Die Erfahrungen in anderen Ländern zeigen das eindeutig und können dieses Argument der Legalisierungsgegner entkräften.

Unsere Vorstellungen von der Aufhebung der Prohibition haben wir festgehalten in einem Grundlagenpapier. Zu beachten ist, dass wir, gemäß unseren Erfahrungen und des jeweiligen Suchtpotenzials, unterschiedliche Vorgehensweisen bei Heroin und Cannabis gewählt haben. 

Grundlagenpapier

zur Legalisierung illegalisierter Drogen

1. Straffreiheit für den Besitz illegalisierter Drogen

Neben dem bereits straffreien Konsum illegalisierter Drogen soll auch der Besitz und Erwerb zum Eigenverbrauch straffrei sein.

2. Kontrollierte Vergabe von Originalsubstanzen an Drogengebraucher/​-​innen

Substituierte, deren medizinische Behandlungen sich mit L‑Polamidon bzw. Methadon und ähnlichen Produkten als erfolglos herausstellen, sollen die Möglichkeit bekommen, über eine kontrollierte Vergabe den Originalstoff zu erhalten. Die flächendeckende kontrollierte Vergabe von Heroin an Drogengebraucher/​-​innen soll nur über Ärzte und Apotheken erfolgen.

3. Kauf und Verkauf von Cannabis

Kauf und Verkauf von Cannabis soll in Coffeeshop ähnlichen Geschäften wie z. B. in den Niederlanden mit geschultem Personal (Drogenfachkräfte) und der entsprechenden gewerblichen Lizenz erfolgen. Aufklärung und Beratung sollen über Drogenfachkräfte zwingend gewährleistet sein. Einschränkungen ergeben sich grundsätzlich aus dem Jugendschutzgesetz (Alter 16 Jahre) und der Straßenverkehrsordnung (Fahren ohne Drogeneinfluss) und dem Eigentum- bzw. Hausrecht in dem Sinne, dass der Konsum nur dort erlaubt ist, wo die Rechte Dritter nicht berührt
werden.

4. Werbung

Allgemeines Werbeverbot für alle Drogen.

5. Qualitätsüberwachung

Zum Schutz der Drogengebraucher/​-​innen soll durch die Lebensmittelüberwachung der Reinheitsgrad und die Qualität von Drogen sichergestellt werden.

6. Produkthaftung

Bei fehlerhafter Herstellung und Verunreinigung der Produkte soll der Hersteller wie üblich haftbar gemacht werden.

7. Steuern

Die aus dem Verkauf von Drogen erhobenen Steuern sollen ausschließlich an Hilfeeinrichtungen und in die Forschung im Drogenbereich fließen.

8. Aufklärung

Grundsätzlich soll die allgemeine Aufklärung der Bevölkerung über Drogen und ihre möglichen Auswirkungen schon frühzeitig einsetzen und gesichert sein.


Schlussbemerkungen:

Legalisierung ohne Wenn und Aber!

Und wir meinen auch L e g a l i s i e r u n g, nicht Entkriminalisierung. Denn zwangsläufig würde eine Legalisierung aller Drogen ja die Konsumenten tatsächlich ent-​kriminalisieren. Der Begriff Entkriminalisierung allein ist für uns nicht aussagekräftig genug, denn er überließe den Ländern wieder Entscheidungs- und Handlungsspielräume! Die Forderung nach Legalisierung bedeutet für unsere Gesellschaft letztendlich Kontrolle! Heute bestimmen Kriminelle nicht nur den Preis, sondern auch die Qualität, wer den Stoff verkauft, wohin der Gewinn fließt und an wen verkauft wird. Über die legalen Drogen (Alkohol, Tabletten, Kaffee, Nikotin) bestimmt der Staat bis ins kleinste Detail den Ablauf der Vermarktung. Es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass die Politik Verbrechern das Geschäft überlässt und diese ungeschoren bleiben, während die Konsumenten per Gesetz zu Kriminellen gemacht werden.

Es wird höchste Zeit, diese Zustände zu ändern. Die Kontrolle aller Drogen gehört in die Hände
unseres Staates.

Gleichwohl sind wir uns bewusst, dass es immer Menschen geben wird, die an einer Droge „hängen bleiben“ und süchtig werden. Das ist keine private Angelegenheit, sondern wir sind als Gesellschaft gefordert, die Hintergründe und Dispositionen der Konsumenten zu betrachten, die zu exzessivem Konsum und/​oder zur Sucht führen. Und genau dort ansetzen mit Hilfen.

Francis Picabia formulierte den Spruch mit dem wir unsere Ausführungen beenden:

Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann“.


Erstveröffentlichung: „Entkriminalisierung von Drogenkonsumenten-​Legalisierung von Drogen“ (Ralf Gerlach, Heino Stöver Hrsg – Fachhochschulverlag . Band 32.)
Überarbeitete Fassung vom April 2014

In einem weiteren Beitrag haben wir das Selbstverständnis der Elterninitiative Wuppertal veröffentlicht. Vielen Dank an Heidrun Behle und Jürgen Heimchen für das Vertrauen. Die Zusammenarbeit zwischen uns als Aktivist*innen und Eltern liegt uns sehr am Herzen, um uns gemeinsam gegen Stigma, Scham, Schweigen und tödliche Drogenpolitik zu wehren.

20 Grundsätze für eine sozial gerechte Legalisierung

Basierend auf den ersten Erfahrungen in verschiedenen Ländern der Welt und Staaten der USA hat der internationale drogenpolitische Dachverband idpc ein Booklet zur verantwortungsvollen Cannabis-​Regulierung herausgegeben. Die 20 Grundsätze bieten einen Rahmen für die Gestaltung eines sozial gerechten Gesetzes.

  • Im folgenden findest du/​finden Sie die deutschsprachige Übersetzung als PDF und Textversion.
  • Die englische und spanische Version der Kurzfassung sowie den ausführlichen Bericht (EN) findest du/​finden Sie hier auf der Website des idpc.
  • Zum Mitdiskutieren: Der Hanfverband hat konkrete Eckpunkte erarbeitet, um Debatten über die Details zu unterstützen!

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[PDF herunterladen]

Drogen“ – Ein Gedicht von Beate Stör

Drogen hat´s auf dieser Welt immer schon gegeben.
Teils bereichern, teils zerstören sie Leben.
Es kommt halt eben darauf an,
wo man sie erstehen kann.
Manche sind seit ew´gen Zeiten fest im Alltag integriert
Kein Mensch der Böses dabei denkt, dass man sie konsumiert.
Die anderen Arten allemal
Sind bei uns eben illegal.
Folglich sind deren Konsumenten schlecht,
denn bei uns entscheidet dies das „Recht“.
Gesellschaftlich fällt ins Gewicht
was erlaubt ist oder nicht.
Abgestempelt wird da rasch,
zum Beispiel bei Cannabis, Hasch
und vielen anderen Substanzen
bestimmt man stur im großen Ganzen,
wer das nimmt ist kriminell
und dieses Urteil fällt man schnell.
Schaut man mal genauer hin,
macht das Verbot gar keinen Sinn.
Deshalb ist das auch verkehrt,
weil kaum jemand sich drum schert.
Konsumiert wird trotz Verbot,
jedoch dadurch entsteht erst große Not.
Ein Weltmarkt ist der Drogenhandel
geworden und es ist kein Wandel
in Sicht, solang die Politik so bleibt
wenn man nicht endlich Geschichte schreibt.
Die Zeit dafür ist mehr als reif,
bewegt euch endlich – bleibt nicht steif
an alten Mustern, alten Zöpfen
hängen; aus Forschungswerten lässt sich schöpfen.
Für Entkriminalisierung ist´s höchste Zeit
woanders ist man längst soweit.
Illegal gekaufter Stoff,
bringt nach wie vor gesetzlich Zoff,
ist außerdem gepanscht, gestreckt
und oftmals durch und durch verdreckt.
Das bedeutet vor allem Lebensgefahr
s´ist mittlerweile jedem klar,
mancher Tod ließ sich vermeiden
und Menschen müssten nicht so leiden,
wenn politisch sich was tut
zwar ist deshalb nicht alles gut,
jedoch ein erster Schritt wär´ so getan,
also bitte – packt es an!

Beate Stör leitet seit über 20 Jahren den Elternkreis Leutkirch im Allgäu – ein geschützter Ort für Eltern und Angehörige von suchtkranken oder ‑gefährdeten Kindern, die sich oft aus Scham, Angst und Überforderung zurückziehen. Beate Stör setzt sich für den Schutz von drogenabhängigen Menschen ein und spricht sich für die Entkriminalisierung von Eigenbedarfsmengen und flächendeckende Hilfsangebote aus sowie notwendige legale Regulierungen, um Drogengebrauchende vor tödlichen Überdosierungen und gefährlichen Beimengungen zu schützen. 2020 verlor sie ihren 43-​jährigen Sohn Bertram an eine Opioid-Überdosierung.

Außerdem von ihr im Blog: Das Gedicht „Gestrandet“
Zum Gedenktag für die verstorbenen Drogengebrauchenden: „Die Verbote bringen nichts“

Wenn Putin Selenskyj „drogensüchtig“ nennt, sollten wir das nicht überhören

Ein Beitrag von Matthew Wilson, aus dem Englischen übersetzt von Philine Edbauer und Julian Roux

Der Artikel ist zuerst am 2.5.22 im Filter Magazine erschienen. Danke für die Freigabe zur Übersetzung und das Vertrauen! Das Online-​Magazin befasst sich aus dem Blickwinkel der Harm Reduction mit Drogengebrauch, Drogenpolitik und Menschenrechten. Du findest es auch auf Facebook und Twitter – und abonniere ihren Newsletter.

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine hat zwei Monate nach der Invasion bereits Zehntausende Tote gefordert und es gibt zahlreiche Beweise für Kriegsverbrechen der russischen Armee. Darüber hinaus reichen die verheerenden Folgen von der Vertreibung von Millionen Menschen, innerhalb und aus der Ukraine, bis hin zu einer sich wahrscheinlich weltweit auswirkenden Nahrungsmittelknappheit – ohne Ende in Sicht.

Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst, heißt es.

Der russische Präsident Vladimir Putin erhebt zahlreiche Anschuldigungen gegen Volodymyr Selenskyj, die nachweislich und haarsträubend falsch sind. Zu diesen despotischen Versuchen, den Krieg zu rechtfertigen, gehört die Absurdität, den jüdischen Präsidenten der Ukraine als “Nazi” zu beleidigen – was von Fachleuten entschieden zurückgewiesen wurde, den russischen Außenminister Sergej Lavrov jedoch nicht davon abhielt, den absurden Vorwurf kürzlich zugespitzt zu erneuern. Und noch mehr leere Behauptungen zielen zusammen mit der Zensur darauf ab, nationalistische Gefühle in Russland zu schüren.

Weniger Beachtung findet jedoch das tiefsitzende soziale Stigma, das Putin zu mobilisieren versucht, wenn er Selenskyj und die demokratische Führung der Ukraine “drogensüchtig” nennt.

Memorandum: Das Stigma von Suchterkrankungen verstehen und überwinden

2016/​2017 hat eine Gruppe aus Fachleuten der Suchtforschung und anderen Disziplinen sowie Praktiker*innen der Suchthilfe ein Memorandum erarbeitet. Es schildert die Problematiken der Stigmatisierung von Sucht und gibt Kolleg*innen sowie der Politik Handlungsempfehlungen, um diese zu beheben. Die Autor*innen des Memorandums werden am Ende der Seite vorgestellt. Die #mybrainmychoice Initiative war nicht an der Entstehung des Memorandums beteiligt. Wir verwenden es jedoch als eine der fachlichen Grundlagen für unser Projekt zur Entstigmatisierung von Sucht (folgt bald hier). Auf dieser Seite wird es im Wortlaut wiedergegeben; nur die Formatierung wurde für die bessere Lesbarkeit im Web angepasst.

Das Memorandum wurde aufgrund eines Beschlusses des Bundestags vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert und in Zusammenarbeit mit der Fachgesellschaft DG Sucht (Deutsche Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie) erarbeitet. 

Original als PDF /​ Druckversion

Suchtexpert:innen für Legalisierung von Cannabis

Aktuell gibt es öfter mal Schlagzeilen, die suggerieren, „Die Suchtmedizin“ oder alle Suchtmediziner seien gegen die Cannabis-​Legalisierung. Das ist natürlich Blödsinn. Hier sind fünf Pro-​Entkriminalisierung und Pro-​Legalisierung-​Stellungnahmen. Es wird jeweils darauf hingewiesen, dass die Legalisierung als gut durchdachte Regulierung im Sinne von Verbraucher:innen- und Jugendschutz verstanden und realisiert werden müsse.


Übersicht von Philine Edbauer