Zum Inhalt springen

#MYBRAINMYCHOICE Beiträge

Risikoarmer Drogenkonsum ist möglich: Ohne Stigma, Angst und Polizei

Der Redebeitrag von Philine Edbauer zur Berliner Tanzdemo „Wem gehört die Stadt?“ 2021 (für den Erhalt von vielfältiger Clubkultur, gegen Immobilienspekulation)

Welche Informationen gibt uns die Bundesregierung zum Alkoholkonsum? Auf der Kampagnen-​Seite von Kenn dein Limit wird risikoarmer Alkoholkonsum für gesunde Erwachsene definiert als: Nicht mehr als 1–2 Standardgläser am Tag. Ein Standardglas ist ein kleines Bier, ein Glas Wein oder Sekt oder ein Schnaps. Und, ich zitiere: „Verzichten Sie an mindestens zwei Tagen pro Woche ganz auf Alkohol, damit das Trinken nicht zur Gewohnheit wird.“

Das sind überraschend großzügige Angaben, aber das Projekt gilt als erfolgreich. Es ist ein akzeptierender Ansatz, der die Realität als Ausgangspunkt und Maßstab nimmt. Was daran besonders bemerkenswert ist: Es wird damit gearbeitet, risikoarmen Konsum zu bewerben. Es stellt keinen Widerspruch dar, dass sie auf derselben Seite angeben, dass es keinen risikofreien Alkoholkonsum gibt.

Aber: In der Realität gibt es ebenso risikoarmen Cannabiskonsum, risikoarmen LSD-​Konsum und risikoarmen Kokainkonsum. Auch risikoarmer Heroinkonsum ist möglich.

Eigenverantwortung zutrauen statt dämonisieren!

Der Redebeitrag von Elli Schwarz zur Hanfparade 2021

Fast die Hälfte, 47,2%, aller jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren in Deutschland, hat schon mal eine illegale Droge ausprobiert. Drogengebrauch passiert alltäglich. Das wissen wir alle. Nur unsere Regierung verdrängt diesen Fakt sehr gerne. Menschen werden so oder so nicht aufhören Drogen zu konsumieren, nur weil die Politik seit Jahrzehnten erfolglos versucht es zu verbieten! Prohibition ist nicht gesund; im Gegenteil: sie macht uns alle krank.

Denn Drogenkonsum umgibt uns alle und kann medizinisch essentiell z.B. zur Schmerztherapie sein. Ebenso kann er kulturell wertvoll sein und Menschen eine neue Perspektive einnehmen lassen. Und ob man den gewünschten Zustand durch ein Paar Gläser Wein oder einen Joint erreicht, sollte doch eigentlich niemanden außer die Gebraucher:innen etwas angehen, oder? 

Niemand ist uncool.

Der Redebeitrag von Philine Edbauer zur Hanfparade 2021

Cannabis wird seit 12.000 Jahren von Menschen kultiviert. Das globale Cannabis-​Verbot ist vor diesem Hintergrund undenkbar absurd. Es richtet seit 50 Jahren Schaden an, in Deutschland in Form des Betäubungsmittelgesetzes. Sowohl durch Geldstrafen, Führerscheinentzug, Haft, Arbeitsplatzverlust, Ausgrenzung, Polizeigewalt und lächerliche Präventionsarbeit, die Kindern eine Welt vorlügt, die es nicht gibt. Als auch Schäden unmittelbar für die Gesundheit, weil Menschen Schadstoffe mitkonsumieren und Menschen Medizin verwehrt wird. Das sind Menschenrechtsverletzungen. Die Polizei sollte nichts mit Cannabis zu tun haben, außer es vielleicht selbst genießen, um ein bisschen zu entspannen. Das Cannabis-​Verbot steht im Widerspruch zu den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, die Agenda 2030, zu der sich Deutschland explizit verpflichtet hat.

Cannabis muss legalisiert werden.

Was ist also konkret zu tun, um sinnvolle und faire gesetzliche Rahmenbedingungen zu etablieren?

Berichte von drogenpolitischen Kommissionen

Auf dieser Seite werden deutsch- und englischsprachige Berichte und Stellungnahmen mit Beurteilungen der aktuellen Drogenpolitik und politischen Handlungsempfehlungen von interdisziplinär und unabhängig arbeitenden Kommissionen vorgestellt. Weiter unten befinden sich Berichte von Forschungsgruppen und Fachverbänden. [zuletzt aktualisiert am 9.9.2021]

Mit würdevoller Substitution und Safe Supply gegen den Drogentod

Der Redebeitrag zum Gedenktag an die verstorbenen Drogengebraucher:innen 2021 von Elli Schwarz und Philine Edbauer

Organisation des Gedenkens und Protests am Kottbusser Tor: JES Berlin
Infos zum Internationalen Gedenktag (21.7.): gedenktag21juli​.de

Es ist wichtig, dass es Therapiemöglichkeiten für abhängige Drogenkonsumenten:innen gibt, die nicht Abstinenz als Bedingung (oder direktes Ziel) setzen und den Gebrauchern:innen Möglichkeiten bieten, den Weg in einen normalisierten Alltag mitzubestimmen. Substitutionstherapie kann Leben retten und einen regulierten Zugang zu Substanzen ermöglichen und das ganz ohne den gezwungenen Zugriff auf den Schwarzmarkt und die damit verbundenen Risiken. 

Allerdings kommt es durch die weitgehend fehlenden Möglichkeiten, eine Drogenersatztherapie ohne den regelmäßigen Gang in die Arztpraxis und die damit verbundenen Einschränkungen zu meistern, zu einem neuen Abhängigkeitsverhältnis für Gebraucher:innen: das zum Arzt/​zur Ärztin. Die Patientinnen werden oft nicht gleichwertig in die Entscheidungen einbezogen. Das Stigma der unverantwortlichen “Junkies” wird reproduziert. Die Patienten:innen sind auf die Gunst des Behandelnden angewiesen. Persönliche Freiheit wird eingeschränkt. Vergabefenster sind eng und kaum mit Berufstätigkeit vereinbar. Persönlichkeitsrechte werden oft durch Eingriffe in die Intimsphäre, z.B. den Einsatz von Kameras zur Überwachung von Urintests, missachtet. Nachvollziehbare Kommunikation fehlt (in vielen Fällen). Die strikten Regelungen erlauben keine „Fehler“, wie z.B. jeglichen Beikonsum: sonst drohen maßgebliche Einschränkungen. Von Autonomie und Kontrolle bleibt dabei also nur wenig übrig. Somit ist es nicht verwunderlich, dass viele Opioidabhängige Angst haben zu versagen, bevor sie überhaupt die Chance bekommen haben ein Substitut zu gebrauchen.

Twitter-​Bot: Views on Drugs

Global views on public health, human rights & research involving: #harmreduction, #drugpolicy & #psychedelicscience – A project by Francisco Arcila and Philine Edbauer English /​​ Español /​​ Deutsch Views on Drugs (@ViewsOnDrugsBot) is the #mybrainmychoice Twitter bot that automatically tweets scientific articles and retweets expert opinions on public health, human rights, and risk and harm reduction topics related to global drug research and policy. The bot is a fluid open source project in constant development: A global distribution list Through a carefully curated distribution list of Twitter accounts of international people and organizations, the bot selects tweets to retweet based on certain parameters defined in the code. For example, recent posts that include keywords such as ‘drug policy’ or ‘harm reduction’ are considered after applying some tweet quality filters. This is done based on the Twitter automation rules. Before their addition to the distribution list, individuals with personal accounts are contacted to obtain their authorization. Additionally, the bot posts scientific articles from indexed journals included in PubMed searches. A public code Following open science guidelines, the bot’s code is hosted in a public GitHub repository. Any comment or suggestion can be made through a pull request, the creation of an issue or by contacting the author directly. A project on knowledge reproduction Our goal is to build a tool that is useful globally. Therefore, we try not to simply reproduce the global imbalance in the production and dissemination of knowledge, but to improve the code and the distribution list in a way that counteracts it. We will assess how well we succeed, and what lessons we can learn and share after a few months. The developers The bot started as a #mybrainmychoice project in January 2021 and has been conceptually developed since then. Francisco Arcila grew up in Colombia in an environment influenced by the suffering and injustice caused by the war on drugs. Colombia has lived through a government-​​led anti-​​drug strategy that resulted in the death and disappearance of 6,402 innocent, low-​​income youth between the years 2002 and 2008, next to countless other human rights violations that are the direct consequence of the illegality of certain substances. Worldwide, scientific advances intrinsically related to different forms of suffering have been hampered. For these reasons, today, Francisco is involved in several projects aligned in favor of the legalization and regulation of all substances, as well as the destigmatization of users, whether with problematic patterns or not. After studying biology in Colombia and Germany, he now works as a data scientist at Leuphana University in Lüneburg. Philine Edbauer, co-​​founder of #mybrainmychoice, is studying for a master’s degree in Area Studies at Humboldt University Berlin, as a part of which she is involved with the decolonization of knowledge production. A warm thank you to Youth RISE for providing valuable feedback during the initial phase of development! Youth RISE is an internationally connected youth organization that advocates for harm reduction and human rights in drug policy. Also, many thanks to Amy Romanello from SSDP Berlin…

Support Don’t Punish – Global Day of Action – 26. Juni – Weltdrogentag 2021

Auch 2021 wieder haben wir zum Global Day of Action der internationalen Support Don’t Punish-​Kampagne mit einer Streetart-​Aktion auf dem Tempelhofer Feld beigetragen. Dabei wurden wir von den Students for Sensible Drug Policy (SSDP) Berlin unterstützt.

Drogenbeauftragte vs. Zivilgesellschaft

Ein Kommentar von Philine Edbauer und Melissa Scharwey

Im März 2021 stellten Niema Movassat & Co. von der Linkfraktion eine Anfrage an die Drogenbeauftragte und CSU-​Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig, in der man um Transparenz über die Art der zivilgesellschaftlichen und wissenschaftlichen Beratung der Drogenbeauftragten bat und sich erkundigt hatte, ob die (Wieder-)Einführung eines unabhängigen Gremiums als sinnvoll erachtet werde. 

In den seit April vorliegenden Antworten heißt es, dass die Berufung eines unabhängigen, drogenpolitischen Gremiums nicht geplant sei und es wird deutlich, dass die Regierungsbeauftragte dies auch nicht als nötig erachtet. Statt eines unabhängigen, fachübergreifenden, wissenschaftlichen Beratungsgremiums wird laut Bundesregierung ein „flexibler, anlassbezogener und themenbezogener Austausch für erforderlich und für zielführender gehalten.“ Dieses Vorgehen betrachten wir als sehr problematisch, weil es eine rein subjektive Auslegung erlaubt, was „anlassbezogen“, „erforderlich“ und „zielführend“ ist.