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Kategorie: Blog nach Genre

#FreeBrittneyGriner #WeAreBG

Der Hintergrund: Putins Drogenpolitik

Wir haben einen Artikel übersetzt, der die russische Drogenpolitik und Putins Behauptungen, die ukrainische Regierung nehme Drogen und sei deswegen außer Kontrolle und zu bändigen, einordnet. Putin führt seit 20 Jahren einen der weltweit härtesten Drogenkriege gegen seine Bevölkerung. Er ist ein Mittel der Erniedrigung, Stigmatisierung, Willkür und ein Mittel, um in die Privatsphäre eindringen zu können. Das Stigma war bereits so groß – und durch die internationalen UN-​Drogenübereinkommen – prinzipell gerechtfertigt (wenn auch nicht mit dem Ausmaß an Gewalt), dass Putin auf diesem Bild von illegalen Drogen und seinen Nutzer*innen aufbauen und es extrem verschärfen konnte.

Brittney Griners Team ist Phoenix Mercury in Phoenix, Arizona und sie spielt für die Women’s National Basketball Association (WNBA). Eigentlich.

Putins Inhaftierung von Basketball-​Star Brittney Yevette Griner zum Zweck seiner Kriegsführung

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Seine Drogenpolitik konnte Putin auch ideal einsetzen, um die US-​amerikanische Basketballspielerin Brittney Griner zur politischen Gefangenen zu machen. Sie hatte einen Rest medizinisch verschriebenes Cannabis (ein Medikament!) im Gepäck. Das Gericht verurteilte sie Anfang August nach einem halben Jahr in einer Zelle zu neun Jahren in einem russischen Arbeitslager! So kann Putin sie für einen Gefangenenaustausch bspw. gegen Waffenhändler benutzen. Aktuell will er sie aber offenbar lieber noch behalten und „ihren Wert“ einen späteren Zeitpunkt nutzen.

Wiedergutmachung, Cannabismarkt, THC-​Obergrenzen, Altersgrenzen

Der Redebeitrag von Elli Schwarz und Philine Edbauer auf der Hanfparade 2022. Am Ende des Beitrags sind eine Videoaufnahme und die Quellen verlinkt.

Obwohl der erste Gesetzesentwurf zur Legalisierung von Cannabis noch dieses Jahr fertig werden soll, ist das mögliche Scheitern der Legalisierung wieder zum Thema geworden. Zu den größten Hürden gehört jetzt nicht mehr eine ignorante Bundesregierung, sondern mitunter das EU-​Recht und die Konventionen der UN. Dabei können wir uns aber an internationalen Beispielen orientieren. Kanada, Uruguay und Teile der USA sind bereits an den Konventionen der UN vorbeigekommen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um aus diesen Konventionen auszutreten oder sie als einzelner Staat oder Gruppe gleichgesinnter Staaten zu ändern. Das internationale Drogenverbot steht weltweit seitens demokratischer Staaten zunehmend in der Kritik. Die Regularien der EU-​Ebene sind schwieriger zu übergehen, aber es ist nicht aussichtslos und die Bundesregierung ist dran.

In dieser Rede teilen wir mit euch unsere Einschätzung zu 4 Aspekten, die in den nächsten Monaten wichtig zu diskutieren sind: Wiedergutmachung, Cannabismarkt, THC-​Obergrenzen und Altersgrenzen.

Zur Wohnsituation Drogengebrauchender und Substituierter in Städten

Marc Seidel engagiert sich mit dem Selbsthilfenetzwerk JES Berlin für die Interessen und Bedürfnisse von Menschen, die illegale Drogen nehmen; neben der Entkriminalisierung bspw. für das Recht auf den Zugang zu Substitutionsbehandlung. Im Redebeitrag für den Gedenktag für die verstorbenen Drogengebraucher_​innen 2022 legte er spezifische Auswirkungen von Wohnungs- und Obdachlosigkeit auf marginalisierte Drogengebraucher*innen dar – ein Thema, an dem man bei der Analyse der steigenden Todesfälle nicht vorbeikommt. JES Berlin gehört zu den Organisator*innen der jährlichen Gedenk- und Protestveranstaltung am Kottbusser Tor-​Berlin. Wir freuen uns, Marc Seidels Beitrag veröffentlichen dürfen!

Liebe Mitunterstützenden, Besucher und Besucherinnen dieses Gedenktags, liebe Mitstreiter von JES und BerLUN, sehr geehrte Professionelle,

mein Name ist Marc Seidel, ich bin 53 Jahre alt, seit 25 Jahren substituiert, seit knapp 20 Jahren Mitglied im bundesweiten Selbsthilfenetzwerk JES und jetzt seit ca. 5 Jahren bei JES Berlin.

Als ich anfing, mich mit dem Thema der Wohnsituation Drogengebrauchender und Substituierter auseinanderzusetzen, fiel mir auf, wie schwer es für mich war, an valide aktuelle aussagekräftige Daten dafür zu gelangen. Vor gut 2 Wochen bin ich dann noch an Corona erkrankt und aus der Idee eines Beitrags auf der Grundlage mit Experten geführter Interviews werden so jetzt eher ein paar allgemeine Gedanken aus der Perspektive eines wohnungslosen, aber durchaus nicht obdachlosen Substituierten, der das Glück hat, schon mehrere Jahre in einer Wohnung eines größeren Berliner Drogenhilfeträgers wohnen zu dürfen.

Was bedeutet es eigentlich für einen Menschen, in seiner eigenen Wohnung leben zu können?

Mir gefällt der Vergleich der eigenen vier Wände mit einer “dritten Haut”, wenn man die Kleidung als “zweite Haut” ansieht.

Die Wohnung als “dritte Haut” schützt vor mehr als schlechtem Wetter, sie spiegelt u.a. Geschmack, Träume, Wünsche und Befinden der Wohnenden und ermöglicht eine gewisse Kontrolle über den Zugang zu und Erreichbarkeit von uns. Sie kann als Refugium Geborgenheit und für viele nach vielleicht längerer Zeit wieder ein gewisses Gefühl von Sicherheit geben. Manche benötigen zuerst eine Wohnung: als Raum, als sichere Basis und als Ausgangsbasis für die Vorstellung einer eigenen, selbst gestalteten Zukunft und daraufhin zielende Pläne und Handlungen. Zunehmende Wohnraumprobleme haben negative Konsequenzen auf Möglichkeiten einer Lebensgestaltung, dem Vorhandensein und der Gestaltung einer als sinnvoll erlebten Tagesstruktur und auf die Chancen eines Mindestmaßes an sozialer Teilhabe.

Aus einer Substitution mit über Jahre täglich durchgeführter Sichtvergabe in Niedersachsen überhaupt wieder in meine alte Heimat Berlin zurückkehren zu können war überaus schwierig und hat Dank der nicht besonders zielführenden Hilfe von Drogenberatung, PSB (Psychosoziale Betreuung), Substitutionspraxis und Jobcenter auch etliche Jahre gedauert.

An eine realistische Alternative zu einem Wohnprojekt für Substituierte war damals gar nicht zu denken. Wie sollte man mit täglicher Substitutionsvergabe auch selbst vor Ort eine Wohnung suchen oder Besichtigungen durchführen? Auch mit Schufa, Bürgschaften, Arbeitsverträgen, bereitliegender Mietkaution etc., sieht es bei vielen von uns zumeist, wie auch bei mir selbst, eher ziemlich mau aus.

Viele von uns haben aufgrund der Lebensbedingungen, mit denen wir es als Drogengebrauchende und Substituierte aufgrund von Stigmatisierung und Kriminalisierung zu tun haben, größere Brüche in ihren Lebensbiographien, viele haben die Unterstützung ihrer Angehörigen und ihres sozialen Umfeldes verloren, viele Hafterfahrung machen müssen, viele ihre Arbeit eingebüßt, manche entscheiden sich für einen Umfeldwechsel und lassen sich auf eine Langzeittherapie ein. Aus diesen oder vielen anderen Gründen haben viele von uns schon einmal, oder oft auch mehrfach, ihre Wohnung und auch oft ihr ganzes Hab und Gut verloren.

Dies zu verarbeiten, damit umzugehen und irgendwann wieder einmal zu einer eigenen Wohnung für ein wieder weitgehend selbstbestimmtes Leben zu kommen, ist für viele von uns ein langer steiniger Weg, den bis zum glücklichen Ende zu gehen, viele von uns ohne Hilfe gar nicht schaffen.

Eine Möglichkeit, damit umzugehen, stellen sicherlich die Wohnprojekte des Betreuten Wohnens für Substituierte und Drogengebrauchende dar. Ich beispielsweise profitiere momentan selbst in vielfältiger Weise davon, darüber vorerst eine Wohnung nutzen zu können. Ich bekam dadurch den Zugang zu wesentlich besseren Substitutionsbedingungen als in der Provinz, eine vorläufig gewünschte Anbindung an das professionelle Hilfesystem, die Chance, eine Berufsausbildung machen zu können und nach langer Zeit auch wieder einmal Angehörige, Freunde und Bekannte zu mir einladen, empfangen oder auch einmal wieder als Gäste bei mir beherbergen zu können. Diese und noch einige Aspekte mehr haben mich zunehmend wieder zunehmend stabilisiert und mir daher wieder neue Handlungsmöglichkeiten für die Zukunft eröffnet.

Das Problem ist, der irgendwann notwendige Schritt, hier in Berlin auf dem offenen Wohnungsmarkt eine eigene Wohnung zu finden, möglichst gar in der Nähe des gewohnten Kiezes, der Substitutionspraxis, des Wohnprojektes und deren Bewohner, der vertrauten Nachbarn, erscheint mir doch als sehr einschüchternd und so wenig aussichtsreich wie erfolgversprechend, was derzeit aber auch für so gut wie jede Wohnlage hier in Berlin zutrifft. Von der ganzen Zeit in meinem Wohnprojekt weiß ich persönlich nur von 2 Personen, die hinterher direkt in eine eigene Wohnung mit eigenem Mietvertrag gezogen sind. Eine davon war in Dresden, und die andere im schönen Plattenbau am Rande Berlins, beide jedenfalls recht weit weg vom Neuköllner Kiez und dem Wohnprojekt.
Aber immerhin.

Die meisten anderen dürften andere Wege genommen haben, manche sind wahrscheinlich obdachlos, manche sicherlich erstmal irgendwo bei Angehörigen und Bekannten untergekommen und manche in andere Formen des Hilfesystems gewechselt. Sie haben eine Therapie aufgenommen oder sind in andere betreute Wohnformen für Substituierte und Drogen.
Sie sind sozusagen von einer Trägerwohnung in die nächste gewechselt.

Früher konnten bei manchen Wohnprojekten am Ende bei entsprechender Stabilisierung und Wohlverhalten der Klienten die Mietverträge der Wohnungen durch sie übernommen werden. kann derzeit natürlich bei der aktuellen Wohnlage keine Rede mehr sein.

Auch die Wohnprojekte kämpfen mittlerweile erbittert um jede einzelne Wohnung für ihre Klienten. Mein Wohnprojekt hat es gerade geschafft, mehrere neue Wohnungen für seinen Bestand zu gewinnen, was mich einerseits sehr freut, mir dabei aber zum Teil auch gewisse Bedenken in den Sinn kommen.

Es muss für uns, wie für alle anderen, das einforderbare Recht auf Wohnen und Lebensraum erstritten, aber halt auch in der Praxis durchgesetzt werden, z.B. indem größere Kontingente an Wohnraum für sozial Bedürftige, auch bei Neubauten, requiriert werden.

Es darf nicht darauf hinauslaufen, dass sich zunehmend immer mehr Substituierte und Drogengebrauchende immer länger in einem immer größeren Hamsterrad aus Trägerwohnungen drehen und somit zwar vielleicht von der Straße verschwinden, sie ihr unter Umständen schwer erarbeitetes neues Leben aber nicht nachhaltig in einer eigenen Wohnung fortsetzen können.

Durch den Krieg in der Ukraine sind jetzt auch noch viele Flüchtlinge, darunter viele Frauen und Kinder, insbesondere hier nach Berlin gekommen und haben die Konkurrenzsituation für uns Substituierte und Drogengebrauchende auf dem eh schon kaum vorhandenen offenen Wohnungsmarkt für bezahlbaren Wohnraum noch einmal drastisch verschärft. Wir sollten sehr aufpassen, dass wir, uns nicht gegen andere bedürftige und prekäre Gruppen ausspielen lassen.

Also müssen wir darauf achten und im Blick behalten, dass wir Drogengebrauchenden und Substituierten nicht zu den großen Verlierern im Kampf um den seit Jahrzehnten auf politischen Druck und Willen hin künstlich verknappten bezahlbaren Mietwohnraum werden und am Ende zunehmend in irgendwelchen Wohnprojekten landen oder irgendwo nach j.w.d. abgeschoben werden.

Und wie absurd und kontraproduktiv es wäre, für viel teures Geld der Gesellschaft über Jahre in Wohnprojekten wieder weitgehend rehabilitierte und wiedereingegliederte Menschen in Obdachlosigkeit, Zeltstädte oder Notübernachtungssammelunterkünfte entlassen zu müssen, sollte doch eigentlich allen einleuchten.

Und auch, dass nicht alle Drogengebrauchenden und Substituierten auf Dauer einer intensiven, personal- und kostenaufwändigen, professionellen Betreuung durch ein Wohnprojekt bedürfen, dass aber auch nicht die Obdachlosigkeit die Alternative sein kann.

Ich fürchte, wenn wir nicht aufpassen, könnte es in Zukunft sogar erstmal noch schlimmer werden, bevor es irgendwann wieder mal besser wird.

Also, lasst uns für bezahlbaren Wohnraum für alle und das einforderbare Grundrecht auf Wohnen eintreten und kämpfen.

Die Häuser denen, die drin Wohnen!

Vielen Dank.


Fragen? Anmerkungen?

Fragen und Kommentare für Marc Seidel leiten wir gerne weiter. Oder kontaktiere JES Berlin.

Zum Weiterlesen:

Grundlegende Informationen über Wohnungs- und Obdachlosigkeit im Allgemeinen findet man bspw. auf der Website der Diakonie.

Unser Hintergrundartikel über Drogentod im Blog: „Drogentod ist kein konsumbedingtes Problem – sondern ein politisches.“

Wir haben diese Drogenpolitik nicht verdient.“ – Zum Gedenktag 2022

Unser Redebeitrag zum Gedenktag für die verstorbenen Drogengebraucher_​innen – von Philine Edbauer und Elli Schwarz:

Personen, die illegale Drogen nehmen, Personen, die mit einer Abhängigkeit leben, Personen, die sich um ihre Angehörigen sorgen haben, diese Drogenpolitik nicht verdient. Wir haben diese Drogenpolitik nicht verdient. Kinder und Jugendliche haben diese Drogenpolitik nicht verdient. Und nachfolgende Generationen haben diese Drogenpolitik nicht verdient.

Jeder Mensch hat Rechte. Menschen, die illegale Drogen nehmen, sind Menschen. Menschenrechte zu haben heißt: Unser Urin gehört uns und weder dem Gesundheitssystem noch der Polizei. Wir haben ein Recht auf Privatsphäre und dazu gehört, auch, dass dem Staat diese Übergriffe nicht zustehen. Und die Polizei hat in unseren Privaträumen nichts zu suchen. Hausdurchsuchungen sind traumatisierende oder zusätzlich retraumatisierende Eingriffe. Betroffene berichten, dass sie wochenlang nicht schlafen können, dass sie psychologische Betreuung gebraucht haben, um wieder am Leben teilnehmen zu können. Umso schwerer ist es, diese Übergriffe zu erleiden, wenn man sie als nichts anderes als Willkür verstehen kann, weil man nichts anderes getan hat als Drogen für den eigenen Gebrauch zu besitzen so wie andere ein paar Bier im Kühlschrank stehen haben.

Menschenrechte zu haben heißt auch: Wenn wir in Haft sind, haben wir das Recht darauf, dass sich unser gesundheitlicher Zustand nicht durch die Haft verschlechtert. Die Strafen für Drogenhandel oder ‑herstellung ohne Gewalt müssen unbedingt reduziert, wenn nicht abgeschafft werden. Menschen nehmen nicht nur die als legal definierten Drogen, sondern auch sind auch an den vielen verschiedenen anderen Wirkweisen interessiert. Personen, die diese Nachfrage bedienen, dürfen nicht dafür bestraft werden. Personen, die mit Drogen handeln, dürfen nicht für eine seit über fehlerhafte Drogenpolitik bestraft werden.

Das Verbot behindert die Prävention. Die Polizei erklärt jungen Menschen, was strafbar ist und was nicht. Anstatt Fragen ehrlich zu beantworten, die die Schüler*innen tatsächlich haben. Etwa: Ist ausprobieren wirklich so schlimm? Oder auch: Was kann ich tun, wenn es im Freundeskreis einen Notfall gibt?

Erwachsene scheinen immer wieder zu übersehen: Jugendliche informieren sich im Internet selbst. Der Wissensstand über Drogen ist sehr unterschiedlich. Genauso wie die Erfahrungen. Über Botschaften, die abschrecken sollen, macht man sich lustig. Der Jugendschutz versagt, wenn Erwachsene Minderjährige mit falschen oder nicht ausreichenden Informationen allein lassen.

Das Verbot stört das Vertrauensverhältnis zwischen Kindern und ihren Eltern. Und wo die Eltern keine Bezugspersonen sind, fallen bei diesem Thema ebenso die Lehrkräfte für offene Gespräche weg. Die Illegalität steht immer im Raum. Und Jugendliche meiden nicht nur das Gespräch, sondern verdrängen Unsicherheiten und Probleme. Wenn Eltern den Drogengebrauch doch mitbekommen oder vermuten, sind sie oft überfordert mit Schuldgefühlen, Scham und Sorgen. Es treibt manche von ihnen zu schrecklichen Aktionen wie das Durchsuchen von Zimmern. Die Illegalität von Drogen zerstört Familien.

Aber wer mit illegalen Drogen nichts zu tun hat, weiß nichts davon. Mitunter deswegen nicht, weil die Kriminalisierung zur Folge hat, dass von der Strafverfolgung betroffene Menschen schweigen, um sich, ihre Familie und Freund*innen zu schützen.

Mit unserer neuen Kampagne werden wir das ändern. Wir haben 13 Forderungen für die Entkriminalisierung von Personen, die illegale Drogen nehmen, aufgestellt. Es gibt eine neue Website im Internet entkriminalisierung​.info Wir konzentrieren uns nun darauf, alles wissen, alle Vorarbeit, die von so vielen bereits gemacht wurde – u.a. Hier seit 25 Jahren mit dem Gedenktag – zu bündeln und die Entkriminalisierung von Personen, die illegale Drogen nehmen, zum nächsten großen Thema nach der Cannabis-​Legalisierung zu machen.

Die 13 Forderungen für die Entkriminalisierung von Personen, die illegale Drogen nehmen

  1. Definition von Eigenbedarf für alle illegalen Drogen
  2. Definition von angemessenen Grenzwerten für den Straßenverkehr
  3. Kursänderung in der Investitionspolitik
  4. Harm Reduction und Safer Use-​Angebote flächendeckend, zielgruppenspezifisch ausbauen
  5. Safer Use in Clubs ermöglichen
  6. Drug-​Checking flächendeckend für alle gängigen Substanzen etablieren
  7. Medizinische Anwendung illegaler Drogen stärken
  8. Jugendschutz mit Jugendlichen
  9. Inklusion von Personen, die illegale Drogen nehmen, in der Forschung
  10. Nothing About us Without Us: Mitwirkung an allen Schritten im Reformprozess
  11. Dauerhaftes Engagement einer unabhängigen, interdisziplinären Fachkommission
  12. Deeskalation zwischen Polizei und Drogengebrauchenden & Wiederherstellung von Privatsphäre
  13. Stopp der laufenden Verfahren, Löschung der Strafregistereinträge & Entschädigung

www​.entkriminalisierung​.info


Danke für die Einladung, JES Berlin! 💖 Der RBB hat in der Abendschau über die Gedenkveranstaltung berichtet.

Die Menschenwürde“ – Ein Gedicht von Beate Stör

Unantastbar soll sie sein – die Menschenwürde.
So steht es im Gesetz geschrieben.
Es einzuhalten ist – bei Gott –
für manchen eine schwere Bürde.

Leicht ist’s bei „normalen Leuten“
wie wir gesellschaftlich sie deuten.
Arbeit, Einkommen und Struktur,
so muss es sein, dann gilt man nur
etwas – im Allgemeinen.
Ist „Sein“ nicht wichtiger als „Scheinen“?

Ist ein Mensch nicht gut in Form
und entspricht nicht dieser Norm,
dann wird sie zu beachten schwer.
Wer hat das Recht zu werten – wer?

Ist der Mensch nur etwas wert,
wenn er mit dem Strom mitfährt?
Was ist mit all den vielen Kranken
die mit Sucht durchbrechen Schranken?
Anderes denken, anderes glauben;
Wer maßt sich an, sie ihrer Würde zu berauben.
Auch all den Menschen, die halt eben,
schlicht und einfach anders leben?

Die Menschenwürde von jedem zu respektieren,
auch stets so zu handeln, zu praktizieren,
dass – jedes Menschen – egal wie man es misst,
Würde unantastbar ist.

Ein Sprichwort aus den Kindertagen,
besser kann man es nicht sagen:
„Was du nicht willst was man dir tu,
das füg auch keinem anderen zu!“
Klingt einfach, wenn man es denn lebt,
und stets danach zu handeln strebt.

Lasst gemeinsam uns beginnen
und, sei es täglich – uns neu besinnen.
Jeder für sich – auch schon im Kleinen,
dann kann und wird – so will ich meinen,
der Menschenwürde Gutes getan.
Sie gilt für alle – packen wir’s an!

(Beate Stör, Juli 2017)


Alle Beiträge von Beate Stör bei uns im Blog sind hier aufgelistet.

Mein Kind nimmt Drogen. Was nun?“

Heidrun Behle und Jürgen Heimchen leiten die Elterninitiative für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik Wuppertal. In ihrem Selbstverständnis erklären sie ihren Ansatz und richten sich an Eltern, die sich fragen: „Mein Kind nimmt Drogen. Was nun?“

Die Arbeit unserer Gruppe hat einen breitenwirksamen Gesundheitsförderungs-​Charakter. Durch die Selbsthilfe der betroffenen Eltern wird nicht nur die eigene Genesung zu erreichen versucht, sondern durch den Schwerpunkt „akzeptierender Elternarbeit“ auch eine Schadensminimierung für unsere Drogen gebrauchenden Kinder angestrebt.

In unserem Elternkreis findet Elternselbsthilfe im gemeinsamen Gruppenprozess ohne Fremdhilfe statt. Die gleichen Sorgen, Nöte, Ängste, die gleichen Hoffnungen und Wünsche, aber auch die gleiche Wut und Verzweiflung haben uns zusammengeführt. Durch den Austausch von Informationen und Erfahrungen der Gruppenmitglieder untereinander und deren Mithilfe bei der Suche nach Lösungsmöglichkeiten in Krisensituationen werden Selbsthilfekräfte jedes einzelnen angeregt.

Die Gruppe bietet Schutz und Geborgenheit, ist ein Ort des Erfahrungsaustausches, Raum, wo man sich fallen lassen kann und lernen kann, Menschen, Sachverhalte und sich selbst aus einem anderen Blickwinkel wahrzunehmen und ihnen gegebenenfalls einen anderen Stellenwert einzuräumen. Die Gruppe hat somit eine entlastende Funktion. Entlastend nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Gesellschaft, da Selbsthilfe so gut wie kostenlos ist. Würde der immense Druck, unter dem Angehörige von Drogenkranken stehen, nur über professionelle Hilfe abgebaut, wäre dies ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor im Gesundheitswesen.

Im Mittelpunkt der Selbsthilfe steht in der Regel die eigene Person und die Bewältigung der eigenen Konflikte. Doch das Drogenproblem erfasst die ganze Familie. Die Schlussfolgerung daraus ist, dass wir Eltern uns um das Wohl aller Familienmitglieder bemühen, und das schließt unser drogenabhängiges Kind mit ein. Daraus ergibt sich für uns Eltern die soziale und gesellschaftliche Verpflichtung, Einfluss zu nehmen, dass sich die derzeitigen diskriminierenden und ausgrenzenden Lebensbedingungen der Drogenabhängigen zugunsten menschenwürdiger und integrativer Lebensmöglichkeiten verbessern. Auch für diejenigen Abhängigen, die es nicht schaffen, auf Dauer abstinent zu leben.

Öffentlichkeitsarbeit (freiwillig) und Weiterbildung ist unverzichtbarer Bestandteil unserer Gruppenarbeit.


Abschließende Anmerkungen von der #MyBrainMyChoice Initiative:

Wir freuen uns über das Vertrauen, den Beitrag bei uns im Blog veröffentlichen zu dürfen und die Arbeit der Elterninitiative auf diesem Weg unterstützen zu können. Die Termine der Treffen können Sie der PDF-​Verson oder dieser Website entnehmen.

In einem weiteren Beitrag geben wir ihre Positionierung zur Illegalität von Drogen wider: „Legalisierung aus Sicht der Eltern“

Wenn Sie nach dem Lesen des Beitrags offene Fragen haben, schreiben Sie uns eine Nachricht! Wir werden sie weiterleiten und zusammen beantworten.

Wir helfen gerne, einen Akzeptierenden Elternkreis in Ihrer Nähe zu finden. Bei uns im Blog stellen wir außerdem den Elternkreis Leutkirch im Allgäu vor.

Legalisierung aus Sicht der Eltern

Das Positionspaper der Elterninitiative für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik Wuppertal zur Frage der Legalität von Drogen (Erstveröffentlichung 2014):

Wie alle Eltern hatten auch wir den Wunsch, dass unsere Kinder sich nicht vom rechten Pfade abbringen ließen, insbesondere keine verbotenen Früchte probierten, und ihren Lebensweg weitab jeglicher Straffälligkeit beschreiten würden. Mit voller Wucht riss uns die Realität ins scheinbar Bodenlose, als wir vom Drogenkonsum unserer Kinder – auch noch Heroin ! – erfuhren. Die Abwärtsspirale der Familie war in Gang gesetzt: die Drogen konsumierenden Kinder gerieten mit dem Gesetz in Konflikt, hauptsächlich durch Beschaffungskriminalität, verloren die Arbeitsstelle oder waren nicht mehr in der Lage, ihre Ausbildung zum Abschluss zu bringen. Die Eltern kämpften nach allen Seiten: gegen ihre Kinder, die aufhören sollten damit; gegen ihre Ängste, dass der – illegale – Drogenkonsum in der Nachbarschaft und der Verwandtschaft auffallen könnte, dass die Polizei die Kinder erwischte; und zuletzt kämpften sie gegen ihre ständige Angst um das Leben ihrer Kinder an. Energie raubende und krank machende Umstände. Was liegt da näher als der Wunsch, die Drogen aus der Welt zu schaffen!?

Im Jahr 1993 fand der 2. Drogenkongress von Akzept e. V. in Hamburg statt, den wir Eltern erstmalig besuchten. Wir wollten mithelfen, die Verelendung und das Sterben der Drogenkonsumenten zu stoppen. So weit waren wir dann schon. Aber die, aus unserer damaligen Sicht provokante, These des Kongresses „Ohne Legalisierung geht es nicht“ erschütterte uns zutiefst. Unsere Hoffnungen lagen bis dahin allein in den „Clean-​Therapien“ und das Abstinenzdogma war verinnerlicht. Wieso forderten Vertreter der professionellen Drogenhilfe, Professoren und Ärzte die Legalisierung des Teufelszeugs?

20 Grundsätze für eine sozial gerechte Legalisierung

Basierend auf den ersten Erfahrungen in verschiedenen Ländern der Welt und Staaten der USA hat der internationale drogenpolitische Dachverband idpc ein Booklet zur verantwortungsvollen Cannabis-​Regulierung herausgegeben. Die 20 Grundsätze bieten einen Rahmen für die Gestaltung eines sozial gerechten Gesetzes.

  • Im folgenden findest du/​finden Sie die deutschsprachige Übersetzung als PDF und Textversion.
  • Die englische und spanische Version der Kurzfassung sowie den ausführlichen Bericht (EN) findest du/​finden Sie hier auf der Website des idpc.
  • Zum Mitdiskutieren: Der Hanfverband hat konkrete Eckpunkte erarbeitet, um Debatten über die Details zu unterstützen!

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