Seit Generationen lautet die Botschaft der Drogenprävention an junge Menschen: „Sag einfach Nein“ – ohne zu fragen, was sie eigentlich brauchen, um „Ja“ zum Leben zu sagen.
Ein Kommentar von Péter Sárosi. Zuerst erschienen bei Drugreporter am 11. Januar 2026. (Zum englischsprachigen Original)
„Just say no.“ Das war der berühmte Slogan der Anti-Drogen-Kampagne aus der Reagan-Ära. Und bis heute findet er seinen Widerhall in der Null-Toleranz-Drogenpolitik. „Sag einfach Nein.”
„Kindern muss beigebracht werden, wie man ‚Nein‘ zu Drogen sagt“ – diese Idee bildet den Kern des Ansatzes. Und damit sei die Sache erledigt. Auf diesem Konzept basierende Präventionsprogramme wie D.A.R.E. (Drug Abuse Resistance Education) erlebten in den 1980er Jahren einen Aufschwung. Und eines ließ sich daraus ganz sicher lernen: Sie funktionieren nicht.
Warum sie nicht funktionieren?
Zum einen scheitert die Botschaft der vollständigen Ablehnung, da sie im Widerspruch zur gelebten Erfahrung der meisten jungen Menschen steht. Die Zahlen zeigen, dass ein erheblicher Anteil junger Menschen in der Lage ist, mit einigen psychoaktiven Substanzen – ob legal oder illegal – auf experimentelle, gelegentliche und moderate Weise umzugehen, ohne dauerhaften Schaden zu nehmen. Diese Erfahrungen sind oft mit der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, Selbstfindung, Auslotung von Grenzen oder gar spiritueller Suche verbunden. Wenn Präventionsbotschaften jeglichen Konsum als gleichermaßen gefährlich und inakzeptabel darstellen, erkennen die meisten jungen Menschen ihre eigene Realität in dieser Botschaft einfach nicht wieder – und infolgedessen verlieren sie an Glaubwürdigkeit, rufen Widerstand hervor und erhöhen die Risiken.
Doch selbst in jenen Fällen, in denen der Substanzkonsum tatsächlich problematisch wird oder ein hohes Risiko dafür besteht, ist die Botschaft „Sag einfach Nein“ wirkungslos.
Das liegt daran, dass drogenbedingte Probleme in solchen Fällen lediglich Symptome für etwas viel Tieferliegendes sind:
Die Zerstörung und Aushöhlung zwischenmenschlicher Beziehungen.
Ausgrenzung und Armut.
Das Gefühl, dass das Leben sinnlos ist.
Einsamkeit.
Verzweiflung und Schmerz.
Diese Umstände liegen oft in generationenübergreifenden Traumata, sozialen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten begründet – strukturelle Realitäten, gegen die wir noch nicht gelernt haben, uns gemeinsam zu wehren.
Zweifellos steckt Weisheit darin, „Nein“ zu sagen. Wenn wir lernen, wann wir es sagen müssen, wie wir es sagen müssen und was es verdient.
Es hat jedoch wenig Sinn, jemandem beizubringen, „Nein“ zu Drogen zu sagen, wenn diese Person nie gelernt hat, ihrem inneren Kritiker, der sie ständig herabsetzt, kleinmacht und verspottet – sanft, aber bestimmt – „Nein“ zu sagen. Eine Stimme, die oft den Tonfall jener Erwachsenen aus ihrer Kindheit annimmt, die sie gedemütigt, herabgesetzt und verspottet haben.
Es hat wenig Sinn, jemandem beizubringen, „Nein“ zu Drogen zu sagen, wenn diese Person nicht gelernt hat, „Nein“ zu missbräuchlichen und ungesunden Beziehungen zu sagen, in denen sie ausgebeutet, verletzt, gedemütigt und beiseitegeschoben wird.
Es funktioniert auch nicht, wenn man nicht gelernt hat, zu jenen Botschaften „Nein“ zu sagen, die aus den Sozialen Medien, der Werbung, von Plakatwänden und von überall her auf einen einströmen: Man sei nicht gut genug und nicht wertvoll genug, wenn man nicht perfekt leistet, sexy, reich oder berühmt ist.
Es hat wenig Sinn, Kindern beizubringen, „Nein“ zu Drogen zu sagen, wenn wir als Gesellschaft nicht gelernt haben, zu den unzähligen Formen von Gewalt, Missbrauch und Ausgrenzung „Nein“ zu sagen. Wenn wir diejenigen im Stich lassen, die den Anschluss verlieren, an den Rand gedrängt werden oder in Familien und Umgebungen geboren werden, in denen sie nicht auch nur die geringste Chance auf Würde, Fürsorge, Liebe und Sicherheit erfahren.
Wie können wir von Kindern glaubhaft verlangen, „Nein“ zu Drogen zu sagen, wenn wir uns selbst weigern, „Nein“ zur Ungerechtigkeit und Ungleichheit, zur systemischen Gewalt und zum Missbrauch in dieser kaputten Welt zu sagen?
Was wir Kindern als Erstes beibringen sollten, ist, wie man „Ja“ sagt – „Ja“ zu ihren tiefsten inneren Bedürfnissen, die sie schon in jungen Jahren allzu oft verleugnen mussten. Weil Authentizität auf dem Altar des Akzeptiertwerdens und Überlebens geopfert wurde. Weil sie lernen, gesunde Wut zu unterdrücken, still zu sein, wenn sich etwas falsch anfühlt, und weil ihnen beigebracht wird, dass Schmerz verborgen werden müsse. Sie lernen, dass das Zeigen von Emotionen bedeute, „zu viel“ zu sein, dass Weinen „Theater“, Wut „ein Problem“ und Traurigkeit eine Last sei.
Wir sollten Kindern Mittel an die Hand geben, mit denen sie ihre Gefühle ausdrücken und erleben sowie Stress, Trauer und Traumata verarbeiten können. Wir sollten ihnen Methoden vermitteln, wie sie sinnvolle zwischenmenschliche Beziehungen und Gemeinschaften aufbauen und mit Konflikten, Ablehnung und Krisen umgehen können. Sodass sie mit Mitgefühl handeln werden und gleichzeitig in der Lage sind, klare und gesunde Grenzen um sich herum zu setzen.
Anstelle der oberflächlichen Botschaft „Sag einfach Nein“ müssen wir Menschen – von klein auf – beibringen, wie man zum Leben „Ja“ sagt, statt es nur zu überstehen: „Ja“ zu Verbundenheit, Würde und Sinn.
Das Leben findet einen Weg, wenn wir einander erlauben, es zu bejahen.
Über den Autor
Péter Sárosi ist der Gründer und Herausgeber des Drugreporter Online-Magazins mit unzähligen Artikeln und Videos seit 2004. Als Experte für drogenpolitische Reformen und Menschenrechte berät er die ungarische Regierung und ist Mitglied internationaler Gremien.
Übersetzung
Übersetzt von Philine Edbauer (My Brain My Choice)
Wir danken Péter Sárosi bzw. Drugreporter für die Autorisierung und die Erlaubnis zur Veröffentlichung im Blog.
KI-Hinweis: Eine erste Übersetzung wurde mit einem KI-Programm generiert; diese dann Satz für Satz mit dem Original abgeglichen und überarbeitet.
Titelbild
Foto von Jeremy Bishop auf Unsplash

