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International Overdose Awareness Day 2020

Der 31. August ist international als Overdose Awareness Day anerkannt, um den Menschen zu gedenken, die durch eine Überdosierung illegaler Drogen gestorben sind. Auch in Deutschland sterben jedes Jahr viele Menschen im Zusammenhang mit illegalem Drogengebrauch: 2019 waren es 1.398 Todesfälle – ein Anstieg von fast 10% zum Vorjahr – wobei Opioid-​Überdosierungen der häufigste Grund sind. Mit einer Weiterentwicklung der Drogen- und Suchtpolitik, die lebensrettende Maßnahmen niedrigschwellig und überall zulässt und die gesetzlichen Bedingungen abschafft, die bestimmte Risiken erst erzeugen, könnten die Todesfälle maßgeblich reduziert werden.


AUSBAU VON NALOXONABGABE UND NOTFALLTRAINING

Naloxon ist ein Opioid-​Antagonist und damit ein lebensrettendes Notfallmedikament im Falle einer Überdosierung von Opioiden wie Heroin. Die Mehrheit der tödlichen Überdosierungen steht im Zusammenhang mit Opioiden, daher ist Naloxon von größter Wichtigkeit. Um Betroffenen und deren sozialem Umfeld die Wiederbelebung zu ermöglichen, muss Naloxon sowie Notfalltraining zur richtigen Verabreichung kostengünstig und flächendeckend bereitgestellt werden werden!

DRUG CHECKING ÜBERALL DORT, WO ES GEBRAUCHT WIRD

Vom illegalen Markt erworbene Drogen werden in mobilen oder stationären Laboren auf ihre Zusammensetzung geprüft. Neben etwaigen Verunreinigungen wird bei Drug Checking auch der Wirkstoffgehalt einer Substanz ermittelt, der – bedingt durch den illegalen Markt – stark schwankt und zumeist unklar ist. Mit dem Drug Checking verbundene Informationsangebote sensibilisieren die Drogengebraucher:innen beispielsweise für Risiken, die beim Mischkonsum entstehen und tödliche Folgen haben können. Drug Checking ist in anderen Ländern bereits erprobt, vorwiegend in Partykontexten. Idealerweise sollte Drug Checking aber für Gebraucher:innen aller illegaler Drogen zugänglich gemacht werden, was für das bald startende Projekt in Berlin berücksichtigt wurde. Wenn Konsument:innen illegaler Drogen Kenntnis über die Zusammensetzung der Substanzen erlangen, wird ihnen ermöglicht, informiertere Entscheidungen über ihren Konsum zu treffen und sich vor Risiken der illegalen Bedingungen zu schützen.

DROGENKONSUMRÄUME ÜBERALL DORT, WO SIE GEBRAUCHT WERDEN, PLUS VERLÄNGERUNG DER ÖFFNUNGSZEITEN

Drogenkonsumräume sind äußerst wirksam in der Vorbeugung verschiedener gesundheitlicher Schäden (v. a. HIV- und HepC-​Übertragung) und der Überdosierungen von Drogen. Außerdem spielen Drogenkonsumräume eine wichtige Rolle, um (u. a. marginalisierte) Drogengebrauchende in Kontakt mit Hilfsangeboten, Substitutionsmöglichkeiten und medizinischer Versorgung zu bringen. Drogenkonsumräume sind eine der besterforschten und effektivsten Harm Reduction-​Maßnahmen. In Deutschland ist der Betrieb von Drogenkonsumräumen seit 2000 erlaubt. Trotzdem existieren sie nur vereinzelt in 7 Bundesländern. Drogenkonsumräume sind lebensrettende Maßnahmen, deswegen müssen sie ausgebaut und bundesweit betrieben werden.

ENTKRIMINALISIERUNG UND STAATLICHE REGULIERUNG

Die aktuellen gesetzlichen Bestimmungen zielen darauf ab, Menschen, die Drogen nehmen und eventuell sogar suchtkrank sind, zu kriminalisieren – zu verfolgen, bestrafen und stigmatisieren. Der Drogengebrauch geschieht daher viel im Geheimen und oft unter unsicheren und unhygienischen Umständen. Der Tabuisierung von Drogenkonsum und Suchterkrankungen können wir durch die Entkriminalisierung von Mengen zum Eigenbedarf entgegenwirken. Barrieren, sich über Safer Use-​Praktiken, Hilfsangebote oder Behandlungsmöglichkeiten zu informieren, können so abgebaut werden. Außerdem: Durch eine legale Regulierung des Marktes kann die Qualität der psychoaktiven Substanzen garantiert werden. Wenn Reinheitsgrad und Konzentration klar definiert und transparent sind, werden die riskanten Bedingungen (die durch die illegalen Märkte entstehen und denen Drug Checking erst reagierend begegnet) proaktiv überwunden.


Material:

A5-​Flyer als PDF

Fotos der Kunstaktion (drauf klicken für den Abruf in hoher Qualität):

Kottbusser Tor
Herrmannplatz
Schlesisches Tor
Warschauer Straße

Zum Weiterlesen:

Danke an Melissa Schwarwey und Nikolaus Sendker für ihre maßgeblichen Beiträge zum Aktionstag!