Diese Rede ist ein Argument dafür, sich nicht nur für Cannabis einzusetzen. Es reicht nicht, sich nur für Cannabis einzusetzen. Danach folgt nicht automatisch der Zerfall der ganzen Prohibition.
Das zeigt die politische Lage, mit der wir jetzt konfrontiert sind:
- Die CDU/CSU will die Teil-Legalisierung zurückdrehen.
- Die Mythen und Irrtümer in der Öffentlichkeit und in den Institution lösen sich kaum auf. Solange wie die nahe Rückkehr des Strafrecht denkbar bleibt, nehmen Menschen, die es besser wissen, sich weiter zurück zu widersprechen.
- Der Krieg gegen Drogen tobt nach der Cannabis-Teil-Legalisierung weiter, als wäre nichts gewesen. Während alle doch eigentlich wissen, dass er gescheitert ist.
Das Problem ist, dass die Erfolge gegen die Prohibition der letzten Jahrzehnte immer wieder nur als Ausnahme von ihr gestaltet wurden. Die Cannabis-Teil-Legalisierung ist als Ausnahme von der Drogenprohibition gestaltet. Genauso Drug Checking oder Drogenkonsumräume. Um diese stafrechtsfreien Räume herum tobt die Prohibition ungebrochen weiter und bedroht ständig, sie wieder einzunehmen.
Das Problem schafft nicht nur die Politik, sondern kommt auch aus den Legalisierungs- und Entkriminalisierungsbewegungen: Es wird oft argumentiert, dass „die falschen Leute“ kriminalisiert wurden. Oder „die falschen Drogen“ kriminalisiert wurden, oder „fälschlicherweise nicht nur die Dealer“. So wird man sich selbst gerecht, aber so wird die Grundidee der Prohibition nicht in Frage gestellt. Ich würde mir wünschen, dass wir damit aufhören.
Es ist völlig okay, gut und ja auch schön, wenn man bestimmte Substanzpräferenzen hat und sich auf spezielle Probleme fokussiert. Aber das bedeutet, man muss sich regelmäßig austauschen und zusammentun. Gemeinsame Appelle und Aktionen starten mit Leuten, die sich schwerpunktmäßig für anderes, aber auch gegen die Prohibition engagieren.
Hier kommen wir als My Brain My Choice Initiative ins Spiel, die politische Argumente erarbeitet und einbringt.
Und ich kann euch herzlich einladen: Am 26. Juni ist der Weltdrogentag, den ursprünglich die UN ausgerufen hat, und wir besetzen ihn dieses Jahr zum zweiten Mal. Am Abend, online, um 19 Uhr.
Wir von My Brain My Choice freuen uns, wenn viele von euch kommen!

