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Bild: Jarek Jordan (Unsplash)

Niemand ist uncool.

Der Redebeitrag von Philine Edbauer zur Hanfparade 2021

Cannabis wird seit 12.000 Jahren von Menschen kultiviert. Das globale Cannabis-​Verbot ist vor diesem Hintergrund undenkbar absurd. Es richtet seit 50 Jahren Schaden an, in Deutschland in Form des Betäubungsmittelgesetzes. Sowohl durch Geldstrafen, Führerscheinentzug, Haft, Arbeitsplatzverlust, Ausgrenzung, Polizeigewalt und lächerliche Präventionsarbeit, die Kindern eine Welt vorlügt, die es nicht gibt. Als auch Schäden unmittelbar für die Gesundheit, weil Menschen Schadstoffe mitkonsumieren und Menschen Medizin verwehrt wird. Das sind Menschenrechtsverletzungen. Die Polizei sollte nichts mit Cannabis zu tun haben, außer es vielleicht selbst genießen, um ein bisschen zu entspannen. Das Cannabis-​Verbot steht im Widerspruch zu den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen, die Agenda 2030, zu der sich Deutschland explizit verpflichtet hat.

Cannabis muss legalisiert werden.

Was ist also konkret zu tun, um sinnvolle und faire gesetzliche Rahmenbedingungen zu etablieren?

Die ersten zwei Punkte sind noch unabhängig von der Legalisierung: Cannabis als Medizin muss anderen Medikamenten gleichgestellt werden, sodass es allen Menschen verschrieben wird, die es brauchen, und von den Kassen bezahlt wird.

Die Grenzwerte für den Straßenverkehr müssen verhältnismäßig angepasst werden.

Kleine und mittlere Dealer und Grower sollen in den legalen Markt überwechseln können, wenn sie das wollen.

Große Fische in den illegalen Strukturen erwischt die Polizei auch mit noch so viel Strafverfolgung nicht. Je mehr Polizeieinsatz, desto mehr Rüsten auch die Großdealer auf. Siehe Mexiko. Großkriminalität ist kein Spaß, aber gerade die Bundesregierung scheint das nicht ernst zu nehmen. Denn den Leuten tut man nicht weh, indem man ihnen ein paar Drogenlieferungen abnimmt, sondern indem man ihre Geldwäsche verhindert. Damit tut sich aber zufällig die CDU/​CSU leider schwer.

Wenn es seitens Politik oder Polizeigewerkschaft heißt, lieber Dealer statt Konsumierende verfolgen, dann müssen wir außerdem aufpassen, weil: Das Ziel ist nicht, die Polizei mit mehr Ressourcen auszustatten, sondern mit weniger.

In einem legalen Cannabismarkt sind Geschäftsmodelle und internationale Handelsstrukturen zu fördern, die wirtschaftliche Inklusion, nachhaltige Entwicklung und Klimagerechtigkeit in lokalen, regionalen und globalen Lieferketten vorantreiben.

Drogenpolitik und ihre Auswirkungen müssen regelmäßig evaluiert und angepasst werden. Es muss aufhören, dass eine Gesetzgebung gilt, deren Sinn und Berechtigung seitens Bundesregierungen weder überprüft noch bewiesen werden.

Eine Cannabis-​Legalisierung sollte solidarisch mit Konsumierenden weniger populärer illegaler Drogen sein. Der politische Schritt zur Entkriminalisierung von Besitzmengen aller illegaler Drogen ist ebenfalls nicht weit weg.

Safer Use-​Tipps sollten alle Cannabis-​Konsumierenden erreichen, allem voran, Cannabis nicht mit Tabak zu rauchen. Tabak ist unsäglich schädlich und hochgradig suchterzeugend. Tabak bzw. Nikotin taugen als Droge nicht einmal viel, sodass sie eigentlich überflüssig sind. 2018 erkrankten in Deutschland 85.000 Menschen infolge des Rauchens an Krebs. 130.000 Menschen starben infolge des Rauchens. Cannabis ist nicht tödlich, Tabak aber schon.

Es sollte eigentlich klar sein, ist es aber in Deutschland nicht: Kein Fußbreit mehr Platz für die Tabaklobby.

Und: Die Schäden der Prohibition sind zu beheben. Menschen, die Strafen und Sanktionen erhalten haben, die ihren Lebenslauf beeinträchtigt haben, sind zu entschädigen. Das sind sicherlich sehr viele, aber das soll nicht das Problem der Betroffenen sein.

Zur Bundestagswahl: Eine Cannabis-​Legalisierung ist zwar nah, aber es braucht noch einiges an Einsatz und Zeit, um den globalen Drogenkrieg zu beenden. Wenn wir diese Welt ohne Drogenkrieg noch erleben wollen oder aber zumindest unseren Einsatz an die nachfolgenden Generationen weitergeben möchten, dann müssen wir mit aller Kraft die Politik dazu befähigen, die Erderwärmung asap zu bremsen. Wählt Parteien, die nicht nur für eine vernünftige Drogenpolitik stehen, sondern auch ein konsequentes Klimaprogramm durchsetzen wollen.

Abschließend möchte ich eine Sache richtigstellen, die Daniela Ludwig gesagt hat. Da gäbe es viel zu korrigieren, aber eines ist mir besonders wichtig. Ihre Botschaft an Kinder und Jugendliche hieß: „Kiffen ist nicht cool. Es ist cool, nicht zu kiffen.“ Ich möchte hier korrektiv eingreifen und betonen: Alle Kinder und Jugendlichen sind cool. Egal ob ihr kifft oder nicht, das ist keine Linie, mit der euch Erwachsene unterscheiden und trennen, Angst machen und abwerten dürfen. Kinder und Jugendliche: Ihr alle habt gleichermaßen das Recht auf Unterstützung und Förderung und ihr verspielt euch dies durch nichts. Das ist Jugendschutz.

Drogenkonsum, ob Cannabis oder Alkohol oder anderes, ist keine Empfehlung. Aber einige machen es trotzdem. Wir haben es trotzdem gemacht. Wenn ihr Hilfe braucht, dann sind Erwachsene dazu da, euch zu helfen. Jedem von euch. Diesen Anspruch verliert ihr durch nichts. Niemand ist uncool.


About:

Philine Edbauer koordiniert die #mybrainmychoice Initiative.

Organisation: Hanfparade
Unser Redebeitrag vom Umzug: Eigenverantwortung zutrauen statt Dämonisieren!


Zum Weiterlesen:

idpc: Principles for the responsible legal regulation of cannabis

UN Sustainable Development Goals: Linking Cannabis and hemp policies to sustainable development and human rights bzw. Cannabis 2030

MDR: HANF – SEIT 12.000 JAHREN KULTURPFLANZE DES MENSCHEN

Prof. Dr. Heino Stöver: Cannabis als Medizin: Deutschland verschenkt Potenzial

SZ: Geldwäsche – Leichtes Spiel für Kriminelle

Deutsches Krebsforschungszentrum: Tabakatlas Deutschland 2020 – auf einen Blick

#mybrainmychoice-Kommentar zur deutschen Tabakpolitik von Julian Roux

#mybrainmychoice-Hintergrundartikel zu Nichtraucher:innenschutz von Julian Roux

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