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Bild: M.

Interview mit M. über Substitution und das Frankfurter Bahnhofsviertel

M. gab Phi­li­ne im Novem­ber 2018 eine Füh­rung durch die Stra­ßen des Frank­fur­ter Bahn­hofs­vier­tels, die bekannt für ihre sicht­ba­ren Drogenkonsument*innen und ihre Dro­gen­kon­sum­räu­me sind. M. hat meh­re­re Jah­re Hero­in kon­su­miert, bevor sie vor zwei Jah­ren ein Sub­sti­tu­ti­ons­pro­gramm begann. Im Inter­view erklärt sie Abläu­fe von Sub­stu­ti­ons­pro­gram­men und erzählt, wie sich Innen- und Außen­per­spek­ti­ven vom Frank­fur­ter Bahn­hofs­vier­tel unter­schei­den. M. spricht außer­dem über das poli­ti­sche Span­nungs­feld zwi­schen der Unter­stüt­zung von Kon­su­mie­ren­den in schwie­ri­gen Situa­tio­nen und ihrer Ver­drän­gung aus dem Stadt­bild.

Lese­zeit: 20 Minu­ten


mybrain­my­choice: Wie kam es, dass du einen Sub­sti­tu­ti­ons­arzt auf­ge­sucht hast?

M.: Das hat sich gewis­ser­ma­ßen logisch erge­ben. Ich war mit mei­ner Abhän­gig­keit an einen Kri­sen­punkt gekom­men, die Situa­ti­on hat mich zuneh­mend ein­ge­schränkt und Alter­na­ti­ven wie selbst­or­ga­ni­siert oder sta­tio­när ent­zie­hen kamen aus ver­schie­de­nen Grün­den nicht infra­ge. Da ging ich zu einer der nied­rig­schwel­li­gen Ein­rich­tun­gen im Bahn­hofs­vier­tel, ließ mich bera­ten und kam zum Glück inner­halb kur­zer Zeit bei einem Arzt unter.

Wie läuft dein Sub­sti­tu­ti­ons­pro­gramm ab?

Es gab ein Erst­in­ter­view und einen Urin­test auf Opi­ate, spä­ter am sel­ben Tag konn­te ich in einer Apo­the­ke mei­nen ers­ten Becher Metha­don trin­ken. Ab dem nächs­ten Tag kam ich täg­lich, also auch am Wochen­en­de, in die Pra­xis und nahm mein Mit­tel dort unter Sicht ein. Bis zur „Ver­ord­nung zur eigen­ver­ant­wort­li­chen Ein­nah­me“, land­läu­fig „Take Home“ genannt, ver­gin­gen eini­ge Mona­te. Dann wur­den die Inter­val­le zwi­schen den Pra­xis­be­su­chen zuneh­mend län­ger – also erst sie­ben Mal jede Woche in die Pra­xis, dann vier­mal, drei­mal, zwei­mal und schließ­lich noch der obli­ga­to­ri­sche wöchent­li­che Besuch.

Der wöchent­li­che Besuch ist auch nach der Novel­le der Betäu­bungs­mit­tel­ver­schrei­bungs­ver­ord­nung von 2017 immer noch die Regel. Län­ge­re Zeit­räu­me für Take Home bedür­fen der indi­vi­du­el­len medi­zi­ni­schen oder sozia­len Begrün­dung.

Kon­trol­len auf den Kon­sum von Sub­stan­zen außer dem Sub­sti­tu­ti­ons­mit­tel fin­den je nach Pra­xis unter­schied­lich statt. Die einen tes­ten spo­ra­disch zufäl­lig, die ande­ren tes­ten grund­sätz­lich immer, wie­der ande­re tes­ten sogar mit Abga­be unter Sicht – obwohl es meh­re­re Optio­nen gäbe, die­se Pro­ze­dur zu ver­mei­den und trotz­dem sicher zu sein, dass die Pro­be authen­tisch ist.

Inzwi­schen bin ich seit eini­gen Mona­ten dabei, mei­ne Dosis zu redu­zie­ren und bin aktu­ell unter 40 Pro­zent mei­ner frü­he­ren Dosie­rung ange­kom­men. Mei­ne Pra­xis lässt mir dabei dan­kens­wer­ter­wei­se viel Spiel­raum und Eigen­ver­ant­wor­tung.

Du hast dich mit ver­schie­de­nen Pro­gram­men und Sub­sti­tu­ti­ons­sub­stan­zen aus­ein­an­der­ge­setzt. War­um gibt es meh­re­re und inwie­fern unter­schei­den sie sich?

Auf der einen Sei­te gibt es nach wie vor auf Absti­nenz zie­len­de Metho­den, ent­we­der rei­ne Ent­gif­tung oder Ent­gif­tung mit anschlie­ßen­der län­ger dau­ern­der The­ra­pie in einer ent­spre­chen­den Ein­rich­tung.

Auf der ande­ren Sei­te ist die Sub­sti­tu­ti­on inzwi­schen end­lich als The­ra­pie der ers­ten Wahl aner­kannt und steht allen Per­so­nen mit Opio­idab­hän­gig­keit offen, nicht mehr wie frü­her nur schwer Erkrank­ten oder Schwan­ge­ren.

Die gän­gi­gen Sub­sti­tu­te … müs­sen nur ein­mal am Tag ein­ge­nom­men wer­den und ermög­li­chen so einen nor­ma­li­sier­ten All­tag.“

In Deutsch­land gibt es mit die größ­te Aus­wahl an Medi­ka­men­ten zur Sub­sti­tu­ti­on. Die meis­ten ande­ren Län­der mit Sub­sti­tu­ti­ons­pro­gram­men set­zen nur Metha­don und Buprenor­phin ein. In Deutsch­land kom­men dar­über hin­aus noch Pol­ami­don, retar­dier­tes Mor­phin, Diacetylmorphin/​Diamorphin (phar­ma­zeu­tisch her­ge­stell­tes Hero­in) und in Ein­zel­fäl­len noch Code­in zum Ein­satz. Die gän­gi­gen Sub­sti­tu­te Metha­don, Pol­ami­don und Buprenor­phin (Sub­utex®) müs­sen nur ein­mal am Tag ein­ge­nom­men wer­den und ermög­li­chen so einen nor­ma­li­sier­ten All­tag.

Außer Dia­mor­phin wer­den alle Sub­sti­tu­te oral ein­ge­nom­men. Sie erzeu­gen kei­ne Rau­sch­wir­kung, aber wir­ken an den Opio­id­re­zep­to­ren. Sie ver­hin­dern so das Auf­tre­ten von Ent­zugs­er­schei­nun­gen und lin­dern das Cra­ving, also das Sub­stanz­ver­lan­gen. Bei aus­rei­chen­der Dosie­rung des Sub­sti­tuts hat auch zusätz­lich kon­su­mier­tes Hero­in kei­ne Wir­kung mehr, da die Rezep­to­ren besetzt sind.

Im Gegen­satz zu Hero­in, Mor­phin, Metha­don und ande­ren Voll­a­gonis­ten ist Buprenor­phin ein Tei­lant­ago­nist und hat eine etwas ande­re Wir­kung. Es wirkt weni­ger dämp­fend und atem­de­pres­siv, wird im Gegen­teil teil­wei­se sogar als anre­gend beschrie­ben und kann auch anti­de­pres­si­ve Wir­kung haben. Eine Stei­ge­rung der Dosis bewirkt ab einer bestimm­ten Men­ge kei­ne Stei­ge­rung der Wir­kung mehr. Durch die­sen Cei­ling-Effekt hat Buprenor­phin aber auch Gren­zen in der Anwen­dung. Wenn hohe Dosen kon­su­miert wur­den, reicht Buprenor­phin als Sub­sti­tut unter Umstän­den nicht aus. Ande­re Patient*innen wün­schen sich den dämp­fen­de­ren Effekt von Metha­don bzw. Pol­ami­don und kom­men mit der grö­ße­ren „Klar­heit“ von Buprenor­phin nicht zurecht.

Der Ein­fluss der Psy­che auf Ent­zugs­er­schei­nun­gen oder die Zufrie­den­heit mit einem Sub­sti­tu­ti­ons­mit­tel wird in der Regel unter­schätzt, ist aber beträcht­lich. Nicht alle Ärzt*innen wäh­len das Sub­sti­tut aller­dings in Koope­ra­ti­on mit den Patient*innen aus.“

Nicht zuletzt spielt die per­sön­li­che Vor­lie­be der Patient*innen eine wesent­li­che Rol­le, ob man mit einem Mit­tel klar­kommt oder nicht. Szenein­ter­ne Mythen und Vor­ur­tei­le sind genau­so rele­vant wie der indi­vi­du­el­le Meta­bo­lis­mus und die Erwar­tun­gen an die Sub­sti­tu­ti­on. Der Ein­fluss der Psy­che auf Ent­zugs­er­schei­nun­gen oder die Zufrie­den­heit mit einem Sub­sti­tu­ti­ons­mit­tel wird in der Regel unter­schätzt, ist aber beträcht­lich. Nicht alle Ärzt*innen wäh­len das Sub­sti­tut aller­dings in Koope­ra­ti­on mit den Patient*innen aus und die Kran­ken­kas­sen üben Druck auf die Ärzt*innen aus, die kos­ten­güns­tigs­ten Sub­sti­tu­ti­ons­me­di­ka­men­te zu ver­ord­nen.

Wel­che Vor- und Nach­tei­le hat die Sub­sti­tu­ti­on für dich?

Die Vor­tei­le sind klar: Ich habe einen lega­len Rah­men und eine gesi­cher­te Ver­sor­gung. Die Unsi­cher­hei­ten der ille­ga­li­sier­ten Sub­stanz mit schwan­ken­der Qua­li­tät fal­len genau­so weg wie die immer wie­der stres­si­ge Beschaf­fung und natür­lich die Finan­zie­rung.

Die Nach­tei­le sind sub­ti­ler. In einem Leser­brief tauch­te der Begriff der „che­mi­schen Fuß­fes­sel“ auf, er beschreibt die Lage durch­aus tref­fend. Da sind die Ein­schrän­kun­gen bei der Rei­se­frei­heit, und es geht noch wei­ter: Wenn man mit sei­ner Pra­xis kein gutes Ver­hält­nis hat und die Pra­xis die Dosis oder gan­ze Ver­ga­be als Sank­ti­on ein­setzt (lei­der kei­ne Sel­ten­heit; mehr dazu bei der wei­ter­füh­ren­den Lite­ra­tur unten) kann man in ein neu­es Abhän­gig­keits­ver­hält­nis kom­men, in dem immer noch stän­dig der Ent­zug droht. Salopp gesagt fin­det sich auf der Stra­ße immer noch jemand ande­res, aber von der Pra­xis ist man ganz unmit­tel­bar abhän­gig, erst recht, wenn man sich von Sze­ne­kon­tak­ten ganz lösen und auf „krea­ti­ve Lösun­gen“ ver­zich­ten will.

Ver­rei­sen ist anfangs gar nicht mög­lich und spä­ter mit län­ge­ren Take Home-Pha­sen immer noch ein­ge­schränkt. Bis zur Novel­le 2017 war län­ge­re Abwe­sen­heit vom Sub­sti­tu­ti­ons­ort nur bei Auf­ent­halt im Aus­land mög­lich. Im Inland muss­te man eine*n Ärzt*in fin­den, die*der bereit war, einen in „Urlaubs­sub­sti­tu­ti­on“ zu über­neh­men. Als unbekannte*r Patient*in dabei Take Home zu bekom­men, stell­te so eine*n Ärzt*in vor nach­voll­zieh­ba­re Kon­flik­te und war dem­entspre­chend kom­plex. Mit dem Medi­ka­ment ins Aus­land zu fah­ren benö­tigt nach wie vor selbst inner­halb der EU recht auf­wän­di­ge For­ma­li­tä­ten, andern­falls gilt das Mit­füh­ren der eige­nen Medi­ka­men­te als Schmug­gel von Betäu­bungs­mit­teln.

Dane­ben steht noch das nicht direkt Greif­ba­re. Unter­schied­li­che Pra­xen haben unter­schied­li­che Moda­li­tä­ten, die mehr oder weni­ger Wert­schät­zung und Respekt wider­spie­geln. Per­sön­lich habe ich es wirk­lich gut getrof­fen, aber trotz­dem ist das Objekt-im-Sys­tem-Sein auf die Dau­er eine Belas­tung für sich. In Pra­xis und Apo­the­ke sind die Mitarbeiter*innen ein­ge­weiht, aber nicht alle begeg­nen abhän­gi­gen Patient*innen mit dem glei­chen Respekt oder glei­cher Wert­schät­zung.

Egal, wie lang man sich bes­tens führt, sieht die lega­le Rege­lung den­noch unver­än­dert wöchent­li­che Arzt­be­su­che und nach den Richt­li­ni­en der Bun­des­ärz­te­kam­mer auch Sicht­kon­trol­le der Ein­nah­me vor. Das ver­mit­telt einem das Gefühl von einem unab­än­der­li­chen Makel.

Statt cha­rak­ter­schwach gilt man als unver­rück­bar für immer anfäl­lig für jede Art von pro­ble­ma­ti­schem Sub­stanz­ge­brauch. Auch das ist kei­ne ange­neh­me Zuschrei­bung und ent­spricht nicht unbe­dingt der Rea­li­tät.“

Die zuneh­men­de Aner­ken­nung von Abhän­gig­keit als Krank­heit min­dert zwar einer­seits den Vor­wurf, wil­lens­schwach oder ander­wei­tig mora­lisch feh­ler­haft zu sein, ver­schiebt aber ande­rer­seits das Stig­ma bloß, weil die Abhän­gig­keit als chro­nisch und immer wie­der Rück­fäl­le pro­du­zie­rend gilt. Statt cha­rak­ter­schwach gilt man als unver­rück­bar für immer anfäl­lig für jede Art von pro­ble­ma­ti­schem Sub­stanz­ge­brauch. Auch das ist kei­ne ange­neh­me Zuschrei­bung und ent­spricht nicht unbe­dingt der Rea­li­tät.

Mit­un­ter fühlt man sich als Mensch unter einer gro­ßen Hau­be von Kli­schees, Vor­ur­tei­len, Rege­lun­gen und einer „ungüns­ti­gen Zukunfts­pro­gno­se“ ver­bor­gen und unsicht­bar. Ich kann den Wider­stand eini­ger gegen die Behand­lung – also Unwil­len, Ableh­nung der Rah­men­be­din­gun­gen oder wei­te­ren Kon­sum von ille­ga­li­sier­ten Sub­stan­zen – gut ver­ste­hen, weil einem das gewis­ser­ma­ßen das Gefühl von Auto­no­mie und Kon­trol­le über das eige­ne Leben zurück­gibt.

Du hast selbst auch Dro­gen­kon­sum­räu­me besucht, um sau­be­re Sprit­zen zu erhal­ten. Wel­che Bedeu­tung haben die­se und ande­re sozia­len Ange­bo­te – ver­sam­melt im Bahn­hofs­vier­tel – dei­ner Erfah­run­gen und Beob­ach­tun­gen nach für Kon­su­mie­ren­de?

Die Räu­me sind wegen ihrer vie­len Ange­bo­te sehr wich­tig – Kon­sum­raum, Sprit­zen­tausch, ärzt­li­che, psy­cho­the­ra­peu­ti­sche, juris­ti­sche Sprech­stun­den und vie­les mehr. Nicht jede*r kann jeden Raum nut­zen, da es teil­wei­se zu Haus­ver­bo­ten wegen Ver­stö­ßen gegen die Haus­ord­nung kommt oder der gesund­heit­li­che Zustand eine Nut­zung des Kon­sum­raums nicht zulässt. Das hängt meist mit dem Venen­sta­tus zusam­men, da die Vor­ga­ben besa­gen, dass im Kon­sum­raum kei­ne Hil­fe­stel­lung beim Kon­sum in Anspruch genom­men wer­den darf. Durch ver­schie­de­ne Trä­ger in der Innen­stadt besteht aber zum Glück meist auch dann noch eine Opti­on, wenn woan­ders ein Haus­ver­bot ver­hängt wur­de. Die Kon­sum­räu­me sind in der Regel so stark fre­quen­tiert, dass es eine War­te­lis­te gibt.

Außer am Hot Spot Bahn­hofs­vier­tel gibt es auch noch wei­te­re Ange­bo­te. Zum wei­ter aus­wärts gele­ge­nen East­side, der größ­ten nied­rig­schwel­li­gen Ein­rich­tung Euro­pas, fährt abends und nachts ein Shut­tle­bus zur dor­ti­gen Über­nach­tungs­stel­le und mor­gens auch wie­der zurück ins Bahn­hofs­vier­tel. Die zen­tra­len Not­schlaf­stel­len sind meis­tens voll belegt und ich schät­ze, dass der Gesamt­be­darf nicht gedeckt wird. Die Fahr­ten ins East­side wer­den aber gern genutzt, heißt es. Viel­leicht noch wich­tig zu wis­sen: Die Frank­fur­ter Not­schlaf­stel­len für Obdach­lo­se ste­hen Drogengebraucher*innen nicht offen.

Im Bahn­hofs­vier­tel gibt es Cafés bzw. Auf­ent­halts­räu­me, die Rück­zugs­räu­me vor dem Ver­fol­gungs­druck durch die Exe­ku­ti­ve sind. Sie sind auch rela­tiv siche­re Plät­ze zum Schla­fen – die Ein­rich­tun­gen dul­den das erfreu­lich prag­ma­tisch.

Mög­lich­kei­ten zum Wäsche­wa­schen und Duschen sowie Lebens­mit­tel von der Tafel, teils auch war­me Mahl­zei­ten sind für woh­nungs­lo­se Drogengebraucher*innen eine ech­te Hil­fe. Auch psy­chisch kann eine simp­le Dusche enorm wohl­tu­end sein und Selbst­wert­ge­fühl zurück­ge­ben. Die Mitarbeiter*innen sind echt rüh­rend und mit Hin­ga­be bei der Arbeit und oft die ein­zi­gen sozu­sa­gen „Nor­mal­men­schen“, die einem auf so was wie Augen­hö­he begeg­nen, ein Lächeln übrig­ha­ben und nicht auto­ma­tisch auf Distanz gehen.

Ver­gli­chen mit ande­ren ganz selbst­ver­ständ­lich gebrauch­ten Sub­stan­zen sind spe­zi­ell Opi­oi­de von einem rie­si­gen Tabu umge­ben und nicht-kon­su­mie­ren­de Bekann­te flüch­ten zum Teil förm­lich.“

Das ist auch des­we­gen wich­tig, weil man vie­le Kon­tak­te ver­liert – nicht weil man als Konsument*in so auf den Kon­sum fixiert ist, son­dern weil sich das Umfeld abwen­det. Ver­gli­chen mit ande­ren ganz selbst­ver­ständ­lich gebrauch­ten Sub­stan­zen sind spe­zi­ell Opi­oi­de von einem rie­si­gen Tabu umge­ben und nicht-kon­su­mie­ren­de Bekann­te flüch­ten zum Teil förm­lich.

Der unvor­ein­ge­nom­me­ne Umgang der nied­rig­schwel­li­gen Kon­takt­lä­den wirkt da schon lan­ge bevor wei­te­re Unter­stüt­zung auch nur nach­ge­fragt wird, weil man sich wie­der als Mensch wahr­ge­nom­men fühlt. Wie eben schon erwähnt, ist bei­spiels­wei­se in der Sub­sti­tu­ti­on ein sol­cher Umgang nicht selbst­ver­ständ­lich, was mei­nes Erach­tens kon­tra­pro­duk­tiv ist.

Was hältst du davon, wenn Zei­tun­gen wie etwa der Stern schrei­ben: „Frank­furt wur­de einst bekannt dadurch, dass die Stadt in der Hoch­pha­se des Hero­in­kon­sums in den 80er und 90er Jah­ren den „Frank­fur­ter Weg“ ging: Es wur­den so genann­te Kon­sum­räu­me ein­ge­rich­tet, in denen Jun­kies ihre Dro­gen legal neh­men konn­ten. Die Zahl der Todes­fäl­le sank dadurch. Heu­te hal­ten sich vie­le Dea­ler und Abhän­gi­ge vor den Kon­sum­räu­men auf, ins­be­son­de­re wenn das Wet­ter es zulässt. Im Stun­den­takt gibt es Poli­zei­ein­sät­ze – wie bei unse­rem letz­ten Besuch im Novem­ber 2017. […] Das stern TV-Team hat an die­sem Tag im Frank­fur­ter Bahn­hofs­vier­tel eini­ge frag­wür­di­ge Sze­nen beob­ach­tet: hem­mungs­lo­ser Dro­gen­kon­sum auf offe­ner Stra­ße, die Gewalt­be­reit­schaft ist unver­än­dert, Dea­ler ver­kau­fen ohne Skru­pel ihre Dro­gen. Trotz mas­si­ver Prä­senz der Poli­zei – es ist alles wie gehabt.“ (Stern, 11.4.2018)

Sowas macht mich unver­än­dert wütend. Es ist gera­de so weit wahr, dass man es nicht glatt­weg von der Hand wei­sen kann, ist aber letzt­lich trotz­dem Legen­den­bil­dung und nichts als sen­sa­ti­ons­hei­schen­de Panik-Rhe­to­rik. Die zitier­ten 80er und 90er Jah­re hat­ten ganz ande­re Zustän­de. Ich war da weder Kon­su­ment noch in Frank­furt, aber die dama­li­gen TV-Berich­te sind ja selbst bei You­tube zu fin­den. Was sich da in der Tau­nus­an­la­ge dar­ge­stellt hat, hat mit den paar ver­spreng­ten Sze­ne-Abhän­gi­gen, die sich heu­te in dem klei­nen Are­al inner­halb des Bahn­hofs­vier­tels auf­hal­ten, das ich Dir gezeigt habe, nicht mehr viel gemein.

Damals war die Poli­zei so mit der Situa­ti­on über­for­dert, dass sie den Konsument*innen teil­wei­se Löcher in die Löf­fel gebohrt hat, damit sie zum Her­stel­len der Injek­ti­ons­flüs­sig­keit nicht mehr zu gebrau­chen sind. Fast fer­ti­ge Zube­rei­tun­gen wur­den den Abhän­gi­gen auch schon mal aus der Hand getre­ten.

Zuletzt ist der „Frank­fur­ter Weg“ unter ande­rem durch die ten­den­ziö­se Medi­en­be­richt­erstat­tung in Ver­ruf gera­ten und die Poli­zei geht wie­der dazu über, Konsument*innen zu ver­fol­gen und zu ver­haf­ten. Auch wenn Per­so­nen mit mehr als Eigen­be­darf ange­trof­fen oder beim Han­deln erwischt wur­den, sind die, die direkt auf der Stra­ße dea­len, doch ganz über­wie­gend selbst Abhän­gi­ge, die so ihren Bedarf finan­zie­ren – und dabei sehr wohl Skru­pel haben.

For­mu­lie­run­gen wie „hem­mungs­lo­ser Kon­sum“ ver­ken­nen völ­lig, dass im Span­nungs­feld zwi­schen Abhän­gig­keit, Angst vor Ent­zug bzw. psy­chi­schen Ent­zugs­ef­fek­ten und even­tu­ell nicht gege­be­ner Mög­lich­keit, den Kon­sum­raum zu benut­zen, die Prio­ri­tät des Kon­sums schlicht alles ande­re über­wiegt.

For­mu­lie­run­gen wie „hem­mungs­lo­ser Kon­sum“ ver­ken­nen völ­lig, dass im Span­nungs­feld zwi­schen Abhän­gig­keit, Angst vor Ent­zug bzw. psy­chi­schen Ent­zugs­ef­fek­ten und even­tu­ell nicht gege­be­ner Mög­lich­keit, den Kon­sum­raum zu benut­zen, die Prio­ri­tät des Kon­sums schlicht alles ande­re über­wiegt. Die For­mu­lie­rung des Stern trägt eine mora­li­sche Wer­tung gegen Drogengebraucher*innen in sich, die ganz „offen­sicht­lich“ jeder Selbst­be­herr­schung ent­beh­ren und nicht etwa aus einer in die­ser Situa­ti­on strin­gen­ten Kon­stel­la­ti­on von Zwangs­la­gen her­aus auf offe­ner Stra­ße kon­su­mie­ren müs­sen.

Ent­ge­gen eini­ger Medi­en­be­rich­te ist übri­gens Crack nicht „neu“ ein­ge­schla­gen. Hero­in und Crack tre­ten seit min­des­tens 15 Jah­ren par­al­lel auf und sind gleich­blei­bend bedeu­tend in den Kon­sum­mus­tern (vgl. MoSyD-Stu­die bei den wei­ter­füh­ren­den Links unten).

Der Arti­kel behaup­tet, es gebe „unver­än­der­te Gewalt­be­reit­schaft“. Wie siehst du das?

Gegen die in den letz­ten Jah­ren neu auf­ge­flamm­te Medi­en­auf­merk­sam­keit stell­ten sich auch diver­se offe­ne Brie­fe von Mit­ar­bei­tern der Dro­gen­hil­fe sowie Bewoh­nern des Bahn­hofs­vier­tels, die die Panik­ma­che ver­ur­tei­len, die Schil­de­run­gen nicht nach­voll­zie­hen kön­nen und zu mehr Mit­ein­an­der und gegen­sei­ti­gem Ver­ständ­nis auf­ru­fen.“

Gewalt­be­reit­schaft kann ich auch nicht unbe­dingt bestä­ti­gen. Unter den gege­be­nen Umstän­den von Ver­fol­gungs­druck, räum­li­cher Enge, Dro­gen­wir­kung und –ent­zug gehen die Stim­men schnell hoch, aber genau­so schnell wie­der run­ter. Hei­me­lig ist anders, aber es ist mei­ner Mei­nung nach doch in ers­ter Linie die Fol­ge äuße­rer Umstän­de. Sub­jek­tiv habe ich jeden­falls unter den Leu­ten kein Unsi­cher­heits­ge­fühl, und ich bin weder ver­we­gen noch bewaff­net.

Gegen die in den letz­ten Jah­ren neu auf­ge­flamm­te Medi­en­auf­merk­sam­keit stell­ten sich auch diver­se offe­ne Brie­fe von Mit­ar­bei­tern der Dro­gen­hil­fe sowie Bewoh­nern des Bahn­hofs­vier­tels, die die Panik­ma­che ver­ur­tei­len, die Schil­de­run­gen nicht nach­voll­zie­hen kön­nen und zu mehr Mit­ein­an­der und gegen­sei­ti­gem Ver­ständ­nis auf­ru­fen. Natur­ge­mäß errei­chen sol­che Publi­ka­tio­nen nicht die Reich­wei­te von sen­sa­ti­ons­träch­ti­ger No-Go-Area-Rhe­to­rik ver­meint­li­cher Doku­men­ta­tio­nen.

Übri­gens, die in dem Arti­kel erwähn­ten Fäka­li­en und Abfall rüh­ren nicht allein von den Abhän­gi­gen auf der Stra­ße. Am Wochen­en­de ist das Vier­tel voll mit Besucher*innen, die für die Rot­licht- und Par­ty-Loca­ti­ons kom­men. Das ver­ru­fe­ne Vier­tel hat da sei­ne eige­ne Anzie­hungs­kraft. Dann macht die „Sze­ne“ kei­ne fünf Pro­zent der Men­schen auf der Stra­ße mehr aus. Die Partytourist*innen kon­su­mie­ren dann auch im gro­ßen Stil Dro­gen – vor allem Alko­hol – und als Fol­ge des­sen blei­ben Urin und Erbro­che­nes auf der Stra­ße. Per­sön­lich ken­ne ich Wild­pin­keln wesent­lich eher von Betrun­ke­nen als von Konsument*innen ande­rer Dro­gen, die über die Kon­takt­lä­den Zugang zu Toi­let­ten haben.

Vie­le Sor­ten von Abfall, wie Kaf­fee­be­cher und Fast Food-Ver­pa­ckun­gen oder –Res­te kön­nen schlicht gar nicht von den Sze­ne­an­ge­hö­ri­gen stam­men, da die­se Güter viel zu teu­er sind. Für 3 bis 5 Euro bekommt man schon eine klei­ne Men­ge Crack, das von fast allen Ange­hö­ri­gen der Stra­ßen­sze­ne kon­su­miert wird. Da wird das Geld nicht für Kaf­fee oder Essen aus­ge­ge­ben, das teils umsonst, teils für weni­ge Cent in den Kon­takt­lä­den abge­ge­ben wird.

Wie hat sich das Bahn­hofs­vier­tel in den letz­ten paar Jah­ren ver­än­dert?

Es wur­de schi­cker, teu­rer, sau­be­rer, hip­per. Von Rot­licht- und Dro­gen­sze­ne­vier­tel wur­de das Bahn­hofs­vier­tel zum In-Gebiet für Krea­ti­ve und Par­ty­mei­le für Aben­teu­er­lus­ti­ge abseits des Main­streams. Vor rund zehn Jah­ren fin­gen die Mie­ten schon an, für stu­den­ti­sche WGs nicht mehr bezahl­bar zu wer­den. Inzwi­schen ist die Bau­tä­tig­keit in vol­lem Gan­ge: Es wird saniert, auf­ge­stockt und zu hohen Prei­sen ver­kauft und ver­mie­tet, die Wohn­be­völ­ke­rung nimmt zu und ver­än­dert sich gleich­zei­tig.

Die Ver­drän­gung betrifft nicht nur Rot­licht- und Dro­gen­sze­ne, son­dern ganz all­ge­mein die Alt­ein­ge­ses­se­nen, von Wohn­be­völ­ke­rung über Loka­le und Geschäf­te bis zu den Mar­gi­na­li­sier­ten auf der Stra­ße.“

Im Gegen­zug wird die Kli­en­tel, denen die neu­en Prei­se zu hoch sind, mehr und mehr ver­drängt.
Tra­di­ti­ons­ge­schäf­te müs­sen schlie­ßen oder den Stand­ort ver­las­sen, da die Mie­ten in untrag­ba­re Höhen stei­gen. In den letz­ten Mona­ten mach­te ein über hun­dert­jäh­ri­ges Musik­haus sein Stamm­haus dicht und zog um, die Filia­le einer gut gehen­den Bäcke­rei mit Café einer ört­li­chen Ket­te wur­de aus ihren Räu­men gekün­digt – die jetzt leer ste­hen – und anstel­le einer tra­di­ti­ons­rei­chen „kul­ti­gen“ Knei­pe ist ein Tele­fon­la­den ein­ge­zo­gen. Zwi­schen­nut­zun­gen durch Pop-Up-Clubs und -Shops ver­stär­ken noch den hip­pen Ruf.

Die Ver­drän­gung betrifft nicht nur Rot­licht- und Dro­gen­sze­ne, son­dern ganz all­ge­mein die Alt­ein­ge­ses­se­nen, von Wohn­be­völ­ke­rung über Loka­le und Geschäf­te bis zu den Mar­gi­na­li­sier­ten auf der Stra­ße.

Von den Trä­gern der Dro­gen­hil­fe ist min­des­tens einer Eigen­tü­mer der Lie­gen­schaft und hat den Stand­ort erst unlängst auf­wän­dig saniert und umge­baut. Der Trä­ger und sei­ne Kli­en­tel wer­den also aus dem Bahn­hofs­vier­tel nicht zu ent­fer­nen sein. Den­noch wur­de der nutz­ba­re Raum für die Drogengebraucher*innen und Ange­hö­ri­ge der Stra­ßen­sze­ne immer klei­ner und beschränkt sich zuletzt im Wesent­li­chen auf rund 500 Meter, ver­teilt auf vier Stra­ßen. Dadurch wird die Sze­ne der Drogengebraucher*innen ver­dich­tet und damit sicht­ba­rer.

Mein Ein­druck ist, dass die meis­ten Szenegänger*innen die Gebie­te mit mehr Publi­kums­ver­kehr und Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten von sich aus mei­den und je mehr Geschäf­te und Restau­rants sich ansie­deln, des­to mehr zie­hen sie sich dort­hin zurück, wo weni­ger Lauf­kund­schaft die Stra­ße bevöl­kert. Gleich­zei­tig kön­nen sie da weni­ger im Getüm­mel unter­ge­hen und fal­len wie­der­um mehr auf, obwohl sie dort eigent­lich weni­ger stö­ren wür­den.

Wel­che Rol­le spielt die Poli­zei im Bahn­hofs­vier­tel?

Mein Ein­druck ist, dass die Poli­zei im Bahn­hofs­vier­tel an die Hin­ter­grund­struk­tu­ren nicht her­an­kommt, statt­des­sen die schwächs­ten, näm­lich die woh­nungs­lo­sen Drogengebraucher*innen min­des­tens in mehr Unru­he ver­setzt und in ihrer Kon­troll­aus­wahl ras­sis­ti­sche Maß­stä­be anlegt. Nur noch mit Sar­kas­mus kann man sagen, dass die Maß­nah­men wenigs­tens die Ver­sor­gungs­la­ge der Abhän­gi­gen nicht wesent­lich beein­träch­ti­gen.

Du hast mir von Stadt­füh­run­gen durch das Vier­tel für Tou­ris erzählt. Beob­ach­test du das eher als sinn­vol­le, ent­stig­ma­ti­sie­ren­de Maß­nah­me oder als zynisch und kon­tra­pro­duk­tiv?

Ob es kon­tra­pro­duk­tiv ist, dafür müss­te ich die Füh­run­gen als Teil­neh­me­rin ken­nen bzw. wis­sen, wel­che Infor­ma­tio­nen die Teilnehmer*innen erhal­ten. Ins­ge­samt sehe ich „Sze­ne­füh­run­gen“ von Außen­ste­hen­den aber schon eher kri­tisch. Es spie­len ein­fach zu vie­le Fak­to­ren eine Rol­le, um ein ange­mes­se­nes Bild ver­mit­teln zu kön­nen. Schon allein, dass die diver­sen Trä­ger unter­schied­li­che Ange­bo­te vor­hal­ten, eine unter­schied­li­che Atmo­sphä­re in ihren Räu­men haben und mehr oder weni­ger eben­erdig erreich­bar sind, kann die indi­vi­du­el­le Aus­wahl beein­flus­sen. Jeder redet über die Men­schen, aber kaum eine*r mit ihnen. Bil­der, Vor­ur­tei­le, Ste­reo­ty­pen defi­nie­ren eine Per­so­nen­grup­pe, und jede*r meint zu wis­sen, was es mit „Jun­kies“ auf sich hat. Die Drogengebraucher*innen im Kon­text der Stra­ßen­sze­ne sind aber kei­ne homo­ge­ne Grup­pe.

Wel­che städ­ti­schen Ange­bo­te soll­ten dei­ner Ansicht nach in den nächs­ten Jah­ren umge­setzt wer­den?

Solan­ge noch kei­ne Lega­li­sie­rung bzw. Regu­lie­rung kommt, ist es das Min­des­te – was auch dem Geist des Frank­fur­ter Wegs und Akzep­tie­ren­der Dro­gen­ar­beit ent­spricht – dass die poli­zei­li­chen Ein­satz­kräf­te vor Ort die Erlaub­nis oder kon­kre­te Wei­sung bekom­men, Konsument*innen nicht zu ver­fol­gen. Seit das Bahn­hofs­vier­tel in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wie­der so viel Auf­merk­sam­keit bekom­men hat und auch wegen Kleinst­men­gen Men­schen wie­der ver­haf­tet wer­den, ist das Rein-Raus in und aus dem Knast deut­lich hef­ti­ger gewor­den. Das ist ja sowohl bekann­ter­ma­ßen nutz­los als auch spe­zi­ell gefähr­lich für die Betrof­fe­nen, weil die Über­gän­ge nicht gere­gelt sind. Weder die Finan­zie­rung durch Hartz IV läuft lücken­los wie­der an noch die Sub­sti­tu­ti­on.

Auch gibt es aktu­ell in Frank­furt kein akti­ves Nalo­xon-Pro­gramm, weder in Gefäng­nis­sen noch über­haupt, durch das bei Über­do­sen akut Leben geret­tet wer­den könn­ten.

Will man die Situa­ti­on wirk­lich nach­hal­tig ver­bes­sern, wird das nur mit wei­te­ren akzep­tie­ren­den Ange­bo­ten gelin­gen. Eine wei­te­re Run­de Repres­si­on, „Jun­kie-Jog­ging“ und täg­li­che Ver­schie­bung der Konsument*innen ins Ost­end und zurück wird immer Kos­me­tik an der Ober­flä­che blei­ben.“

Dar­über hin­aus gibt es in Frank­furt gera­de ein paar wei­te­re poli­ti­sche Kon­flik­te: Unlängst war das East­side in der Zei­tung, weil die­se Lie­gen­schaft auch „nur“ gemie­tet ist und da Begehr­lich­kei­ten wach wur­den; dann hieß es aber, der Stand­ort sei sicher. Eines muss einem klar sein: Wenn eine Ein­rich­tung, erst recht eine von der Grö­ße des East­side, in Frank­furt jetzt neue Räu­me suchen müss­te, das wür­de nichts wer­den. Sowohl wegen man­geln­der Akzep­tanz als auch man­geln­dem Wil­len bei der Finan­zie­rung.

Das East­side will dem­nächst Frank­furts ers­ten(!) Sprit­zen­au­to­ma­ten auf­hän­gen. In Frank­furt gibt es noch kei­ne öffent­lich zugäng­li­chen Sprit­zen­au­to­ma­ten. (Eine Über­sicht zu Sprit­zen­au­to­ma­ten in Dtld. gibt es in den wei­ter­füh­ren­den Links unten.) Ich ver­mu­te, weil man davon aus­geht, dass die poten­zi­el­len Nutzer*innen dann die Kon­takt­lä­den auf­su­chen. Das mag hin­sicht­lich des Kon­takts zu den wei­ter­füh­ren­den Ange­bo­ten gut gemeint sein, geht aber an der Tat­sa­che vor­bei, dass 30 Pro­zent der Nutzer*innen von Auto­ma­ten nicht zu einem Kon­sum­raum gehen wür­den. Ein Sprit­zen­au­to­mat in der Innen­stadt bzw. im Bahn­hofs­vier­tel, im Ide­al­fall auch mit Foli­en und Pfei­fen zum Rauch­kon­sum im Sor­ti­ment, wäre mei­ner Ansicht nach eine nütz­li­che Sache.

Des­wei­te­ren gibt es nachts noch kei­nen geöff­ne­ten Kon­sum­raum. Die Maß­nah­men gehen klar in die Rich­tung, die Drogengebraucher*innen min­des­tens von der Stra­ße, bes­ser noch ganz aus dem Vier­tel her­aus zu bekom­men. Nur ein nachts geöff­ne­ter Dro­gen­kon­sum­raum könn­te aber die Situa­ti­on auf­lö­sen, dass nachts gezwun­ge­ner­ma­ßen eben doch wie­der auf der Stra­ße kon­su­miert wird.

Die Situa­ti­on von Frank­furt mit ins­ge­samt vier Kon­sum­räu­men und größ­ten­teils zen­tral ange­sie­del­ten nied­rig- wie höher­schwel­li­gen Ange­bo­ten ist einer­seits ver­gleichs­wei­se luxu­ri­ös. Ande­rer­seits wird um die ver­meint­lich kata­stro­pha­le Situa­ti­on der offe­nen Dro­gen­sze­ne ein Rie­sen­bo­hei gemacht, das an der Rea­li­tät vor­bei­geht. Will man die Situa­ti­on wirk­lich nach­hal­tig ver­bes­sern, wird das nur mit wei­te­ren akzep­tie­ren­den Ange­bo­ten gelin­gen. Eine wei­te­re Run­de Repres­si­on, Jun­kie-Jog­ging und täg­li­che Ver­schie­bung der Konsument*innen ins Ost­end und zurück wird immer Kos­me­tik an der Ober­flä­che blei­ben.

Dan­ke für das Inter­view, M.!

Ich habe zu dan­ken!

Das Inter­view führ­te Phi­li­ne Edbau­er.


Zum Weiterlesen:

Initia­ti­ve Bahn­hofs­vier­tel
initia​tive​bahn​hofs​vier​tel​.word​press​.com/

MoSyD Sze­ne­stu­die 2016: Die offe­ne Dro­gen­sze­ne in Frank­furt am Main
frankfurt.de/sixcms/media.php/738/MoSyD%20Szenestudie%202016.pdf

Sprit­zen­au­to­ma­ten in Deutsch­land fin­den:
sprit​zen​au​to​ma​ten​.de/​s​t​a​n​d​o​r​t​e​/​b​u​n​d​e​s​l​a​n​d​/​?​c​a​t​=​h​e​&​p​o​s​t​a​l​_​c​o​d​e​=​&​p​r​o​v​i​n​c​e​=he

Der Pari­tä­ti­sche (2014): ABSCHLUSSBERICHT DES PROJEKTS „WORTMELDUNG SUBSTITUIERTER“
pari​ta​et​-bw​.de/​v​e​r​b​a​n​d​/​p​u​b​l​i​k​a​t​i​o​n​e​n​/​v​e​r​o​e​f​f​e​n​t​l​i​c​h​u​n​g​e​n​-​b​r​o​s​c​h​u​e​r​e​n​/​d​e​t​a​i​l​s​/​a​r​t​i​k​e​l​/​a​b​s​c​h​l​u​s​s​b​e​r​i​c​h​t​-​d​e​s​-​p​r​o​j​e​k​t​s​-​w​o​r​t​m​e​l​d​u​n​g​-​s​u​b​s​t​i​t​u​i​e​r​t​e​r​.​h​tml

Dirk Schäf­fer (2018): Wie viel Pater­na­lis­mus ist nötig? Das Arzt-Pati­en­ten-Ver­hält­nis in der Sub­sti­tu­ti­ons­be­hand­lung
rese​arch​ga​te​.net/​p​u​b​l​i​c​a​t​i​o​n​/​3​2​5​3​2​4​1​1​1​_​W​i​e​_​v​i​e​l​_​P​a​t​e​r​n​a​l​i​s​m​u​s​_​i​s​t​_​n​o​t​i​g​_​D​a​s​_​A​r​z​t​-​P​a​t​i​e​n​t​e​n​-​V​e​r​h​a​l​t​n​i​s​_​i​n​_​d​e​r​_​S​u​b​s​t​i​t​u​t​i​o​n​s​b​e​h​a​n​d​l​ung

Wei­te­re aktu­el­le Innen­per­spek­ti­ve: Haus­pro­jekt NIKA
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